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Bewusstseinserweiterung

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In den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts war man davon überzeugt, dass Marihuana ein „von den Göttern gegebenes“ Mittel sei, um die Menschheit vor Starrheit und Kristallisation des Geistes zu schützen. Ein Mittel, das es erlaube, aus dem selbstbeschränkenden Bewusstsein der gesellschaftlichen Lebensgewohnheiten auszubrechen. Die Vorstellung, man könne das Bewusstsein durch Gewöhnung an diese Substanz wieder einengen, verwarf man. In unserem Jahrhundert findet die Vorstellung, man benötige zur Bewusstseinserweiterung ein Mittel, erneut Anklang. Eines davon ist Ayahuasca, ein Getränk aus Bestandteilen einer Liane und einem Kaffeestrauch.[1]

Bewusstseinserweiterung kann die Folge eines Verlangens sein, weitere Dimensionen des Daseins aufleuchten zu lassen. Wir nehmen nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Spektrum des Lebens wahr, das sichtbare Licht zeigt uns nur eine begrenzte Wirklichkeit. Gern möchten wir einen mentalen Raum in uns entstehen lassen, in dem das Eine, das alles durchdringt und alles ist, sich widerspiegeln kann.

Ein anderer Grund für den Wunsch nach Bewusstseinserweiterung ist die Empfindung, unterdrückt zu werden und eingesperrt zu sein in den engen Grenzen der gesellschaftlichen und ökonomischen Ordnung, in den Normen von Lust, Bequemlichkeit und Gewinn, den Normen eines Kleinbürgerklimas, zu ersticken.

Hieraus erwächst heute auch der Glaube an die Macht der Daten, der zu der Überzeugung führen kann, das schier endlose Datenmeer könne unser Bewusstsein erweitern, bis hin zu spirituellen Dimensionen. Es scheint, als könne sich so ein Ozean des Bewusstseins bilden, der uns mit dem Einen verbindet, sodass Not und Kleingeistigkeit der Vergangenheit angehören. Der um sich greifende Datenglaube empfängt fortwährend Nahrung. Seine Ideologen sprechen davon, dass Technologie und künstliche Intelligenz uns algorithmisch in eine Welt des Geistes versetzen, die groß genug sei, um kosmisch in einer völlig neuen Zeit zu atmen.

Es wird uns die Vision vor Augen gestellt, wir könnten aus dem aktuellen Chaos der Überinformation heraustreten und ein effizient funktionierendes, nicht schädliches, umweltbewusstes Lebensumfeld schaffen.

Der Autor Yuval Noah Harari stellt in seinem Buch Homo Deus zu Recht die Frage, ob wir wirklich den Datenglauben als bewusstseinserweiterndes Mittel annehmen wollen. Denn wir setzen dabei voraus, unsere Organismen seien nur Algorithmen und das Leben beschränke sich auf reine Datenverarbeitung.

Das führt zu der Frage: Was ist wertvoller: Intelligenz oder Bewusstsein?

Die massenhafte Zuwendung zu Technologieriesen wie Facebook, die zu einer permanenten Bindung an die Daten führt, die wir aus Eitelkeit selbst generieren, die aber nicht länger unser Eigentum sind, deutet darauf hin, dass wir uns letztendlich mehrheitlich für Leichtigkeit, Genuss und Gewinn aus einer virtuellen Realität entscheiden.

Wir vergessen dabei, dass jedes bewusstseinserweiternde Mittel, sei es natürlich-stofflich oder mental-digital, uns von äußeren Machthabern abhängig macht. Wir vergessen, dass es einen innereigenen bewusstseinserweiternden Mittler gibt, ohne digitale Abhängigkeit, ohne die Verabreichung von Stoffen. Licht aus unserem Herzen, Gnosis, lässt uns diesen Mittler - eine hohe Seelenqualität – erkennen und macht uns seines Potenzials bewusst. Er schenkt uns Raum und Offenheit, denn wo dieser Geist ist, da ist Freiheit.

(Dieser Artikel war bereits in der Zeitschrift Pentagramm Jg. 2018, Nr. 3 veröffentlicht worden.)

 


[1] Ayahuasca wird aus zwei Pflanzen zubereitet: aus Psychotria viridis und der Schlingplanze Banisteriopsis caapi. Die Psychotria viridis enthält den Wirkstoff DMT. Die Banisteriopsis caapi sorgt dafür, dass DMT nicht abgebaut wird und lange Zeit wirkt. (Quelle: Jellinek-Klinik)

 

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