The worst, oke your will be done

Das Schlimmste ...

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Viele Menschen kennen den Begriff Rapiarium nicht. Ich kannte ihn auch nicht, bis ich das Buch Mysteries and Symbols of the Soul [1] (Mysterien und Symbole der Seele) gelesen hatte. Der Begriff stammt von Geert Groote, dem Gründer der Devotio Moderna Bewegung aus dem 14./15. Jahrhundert, der der Meinung war, dass Lesen der beste Weg zum Lernen ist. Ein Rapiarium ist dazu gedacht, Dinge aufzuschreiben, die einen auf besondere Weise berührt haben und über die man weiter nachdenken möchte.                                                                                                    

Heutzutage kann man solche schönen, leeren Bücher für ein paar Cent kaufen, so dass jeder ein Rapiarium anlegen kann. Jetzt habe ich eins, und das Lustige ist, dass man, wenn man einmal einen Satz hineingeschrieben hat, ihn gar nicht mehr anschauen muss, weil er sich einem eingeprägt hat – zumindest geht es mir so.

Der erste Satz, den ich dort aufgeschrieben habe, ist immer noch mein Lieblingssatz. Ich habe keine Ahnung, wo ich ihn gefunden habe. Er lautet:

Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist, wenn Gott sagt: 'OK, dein Wille geschehe'.

Das beschreibt so ziemlich die gesamte Geschichte der Menschheit in Kurzform. Denn uns ist ein unglaublicher Raum gegeben, in dem wir lernen und erleben können, was wir bewirkt haben.

Wir sind echte Zauberlehrlinge, die verbotene Räume betreten, in geheime Bücher blicken und sich in Kräfte einmischen, die wir nicht kontrollieren können. Der große Zauberer erlaubt uns zu experimentieren, außer natürlich, wenn die Gefahr besteht, dass wir die Grundlagen des Plans für die Welt und die Menschheit berühren. Dann greift der Meister ein, darauf können wir uns verlassen. Vielleicht sind wir an vielen Fronten bereits an dieser Grenze des Erlaubten angelangt.

Wir brauchen das Eingreifen des Meisters aber nicht zu fürchten, denn es bewahrt uns vor der Zerstörung, die wir herbeiführen würden, wenn wir vollkommene Freiheit hätten. Unsere Freiheit ist so lange eingeschränkt, bis wir unser Meisterwerk geschaffen haben. An ihm sollen wir weiter arbeiten.

Warum sollten wir uns vor dem höchsten Meister fürchten, der letztlich auch wir selbst sind – in unserem tiefsten Wesen? Ist eine Freundschaft, ist ein Arrangement mit diesem tiefsten Selbst vorstellbar? „Mein“ Wille kann Teil werden von „Deinem“ Willen. Ich und ICH können zu einem unauflöslichen Ganzen werden. Dann wirkt in mir und durch mich nur ein Wille.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das Ergebnis "deines Willens", des Willens des Ego, schrecklich sein kann. Wenn wir das einmal wirklich durchlebt haben, können wir, kann jeder von uns seine Schritte lenken zu dem, von dem wir uns abgewandt hatten, um mit echter Überzeugung eins zu werden mit dem, der wir (auch) sind.

 

 


[1] Herausgeg. von Rozekruis Pers, Haarlem, NL, 2019

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