Hölderlin

Hölderlin-Projekt Vertiefung und Verwandlung

zurück zur Startseite pdf share

 

 

Friedensfeier

(6)

Des Göttlichen aber empfingen wir
Doch viel. Es ward die Flamm uns
In die Hände gegeben, und Ufer und Meersflut.
Viel mehr, denn menschlicher Weise
Sind jene mit uns, die fremden Kräfte, vertrauet.
Und es lehret Gestirn dich, das
Vor Augen dir ist, doch nimmer kannst du ihm gleichen.
Vom Allebendigen aber, von dem
Viel Freuden sind und Gesänge,
Ist einer ein Sohn, ein Ruhigmächtiger ist er,
Und nun erkennen wir ihn,
Nun, da wir kennen den Vater
Und Feiertage zu halten
Der hohe, der Geist
Der Welt sich zu Menschen geneigt hat.

 

6 Neue Augen

Des Göttlichen aber empfingen wir
Doch viel. Es ward die Flamm uns
In die Hände gegeben, und Ufer und Meersflut.

Uns ist viel anvertraut. Uns ist viel in die Hände gegeben. Vor allem die Natur. In ihr leben wir. Unser Körper gehört ja dazu. Er ist ''die'' Natur, die mir am Nächsten ist.

Der Dichter sagt: Wir gehen „menschlicherweise“ damit um, auf die Weise eben, wie wir sie so haben. Aber wir sind mit der Natur noch nicht richtig vertraut. Sonst würden wir anders mit ihr umgehen. Wir erspüren nicht das Leben, das in ihr ist. Dieses tiefe Leben, in allem in der Natur, bezeichnet er als „fremde Kräfte“. Wir sind dem, was Leben wirklich ist, entfremdet. Aber das Geistige, das im Leben ist, das kennt uns. Auch das Geistige in den Gestirnen. Es schaut uns an, tritt uns vor Augen, schaut uns in die Augen. Alles schaut uns an. In uns sollen Augen entstehen, mit denen wir sehen können. Die Geheimnisse des Lebens wollen entdeckt werden.

Das, was in mir wirkt, öffnet mich weit. Ich erlebe, wie alles lebendig ist, spüre das Alllebendige. Und ich beginne zu verstehen.

Vom Allebendigen aber, von dem
Viel Freuden sind und Gesänge,
Ist einer ein Sohn, ein Ruhigmächtiger ist er,
Und nun erkennen wir ihn,
Nun, da wir kennen den Vater

Der hohe, der Geist der Welt“, der Urgrund des Lebens - der Dichter sagt, er „neigt“ sich herab. Und er sagt, er will mit uns Menschen „Feiertage halten“. Dazu müssen wir ihm entgegengehen. Müssen uns vorbereiten.

Der Dichter nennt den hohen Geist der Welt den „Vater“. Er ist der Ursprung, Allbewusstsein. Ich kann etwas von ihm erahnen. Ich habe ja auch Bewusstsein. Die Quelle ist in mir. Ich habe sie freigelegt. Informationen vom Ursprung fließen nun. Ich weiß nicht, ob ich sie verstehen kann.

Am Anfang der Friedensfeier erklangen ruhigwandelnde Töne. Sie haben den inneren Gott angekündigt. Der Dichter nannte ihn den Fürsten des Fests. Jetzt macht er deutlich, dass noch ein Höherer mitfeiert und dass ''er'' vielleicht der Fürst des Fests ist.

Der Alllebendige. Der Dichter nennt ihn den Sohn. Weite tut sich auf. Ruhigmächtiges. Kosmische Stille.

Zuerst hatte ''ich'' mich vorbereitet auf diese Begegnung.

Jetzt bereiten mich andere Kräfte zu. Ich lasse es geschehen.

 


Text herunterladen

zurück zur Startseite pdf share