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Ins Offene - Teil 2

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Nach Teil 1

 

Ich möchte eine Geschichte erzählen, die etwa drei bis vier Jahre zurück liegt. Ich habe zu dieser Zeit auf der Davidstrasse in Hamburg gelebt; unweit der bekanntesten deutschen Sündenmeile, der Herbertstrasse. Die jungen Frauen, die sich den Freiern anbieten, standen direkt vor dem Haus, in dem ich wohnte. Und ich konnte hinüberschauen zu den Besprechungen der Polizei auf der Davidwache.

Hier nun, in dieser Umgebung – in der ich nachts so unbekümmert und beschützt geschlafen habe wie ein Baby – habe ich etwas Besonderes erlebt. Eines Nachts wachte ich auf und hatte einen direkten Zugang zu der Quelle des Seins. Es war kein Traum. Ich wusste, dass ich mit dem wahren Sein verbunden war. Ich stand mitten im Geheimnis des Alls. Heute kann ich diesen Seinszustand nur noch als eine Erinnerung wiedergeben.

Meine Freundin lag neben mir und fragte: „Was ist los?!“

Ich erklärte ihr alles, die Worte flossen nur so aus mir heraus, weil ich in der Wirklichkeit war. Heute weiß ich nicht mehr, was ich gesagt habe. Denn als ich ihr alles erklärt hatte, war es vorbei und ich war nicht mehr damit verbunden.

Meine inneren Bilderwelten bemühten sich, die Eindrücke zu erfassen. Ich kann aber nur eine Annäherung versuchen, denn die Wahrheit ist noch um ein Vielfaches lebendiger.

Die Quelle des Seins ist überall und nirgends. Sie ist immer genau da, wo du bist. Dort, wo wir sie betrachten, sie wahrnehmen, dort ist sie auch. Wir sind eingebunden in Kraft-, Klang- und Farbkompositionen. Das ist kein bloßes Bild. Das ist die Wahrheit und Wirklichkeit.

Der innere Regenbogen des Seins

Ich kann es nur annähernd mit einem Bild wiedergeben, das wir alle gut kennen: den Regenbogen. Er steht als Symbol über uns in seinen sieben Farbfrequenzen.

Diese Frequenzen finden einen Widerhall in uns, sie sind nicht getrennt von uns.

Wenn wir einen Regenbogen sehen, dann erblicken wir manchmal darüber noch einen anderen, einen schwachen Regenbogen, der die Farben genau entgegengesetzt in sich trägt. Die Farbe im obersten Randes des ersten Bogens berührt dieselbe Farbnuance im unteren Teil des oberen Bogens.

Jetzt muss man sich dieses Bild bis ins Unendliche – in einer unglaublichen Kette nach Oben und Unten immer weiter gespiegelt – vorstellen. So zieht sich ein Farb- und Klangfeld enormer Energien von der Erde durch das gesamte All und darüber hinaus.

Alles ist miteinander verknüpft und schwingt ineinander. Wenn ich nun irgendwo das Farbspektrum Rot anstoßen, also zum Vibrieren bringe, dann schwingt die gesamte Kette Rot, die sich in den unterschiedlichen Regenbögen befindet, als ein einziger Farb- und Klangkörper.

Dieses Bild gibt die Wirklichkeit nur annähernd wieder; das Eigentliche lässt sich nicht in greifbare Worte fassen. Meine Pinealis war für einen kurzen Moment geöffnet und schloss sich sofort wieder; so möchte ich es als Erklärungsmodell sagen.

Die spirituelle Gruppe, mit der ich mich freiwillig verbunden und verknüpft habe, ist einerseits wundervoll – und andererseits erscheint sie mir manchmal als erschreckend konservativ. Ich sehe ein Gebäude, eine Ausformung. Entscheidend aber ist unser brennender Kern, das innere Feuer.

Nun ist in mir etwas aufgebrochen. Und plötzlich frage ich mich: Konnte ich die Erfahrung mit dem Wirklichen früher machen (auch wenn sie nur eine Skizze der einen wahren Wirklichkeit ist), konnte ich sie besser aushalten, weil andere, mit denen ich verbunden bin, sie bereits vor mir gemacht haben?

Der Bogen bricht auf

Wir haben unseren Regenbogen gebaut. Und es scheint, als bräche er langsam und dann immer schneller auf in einen höheren, größeren Bogen. Es scheint, als wüchsen wir aus unserem alten Haus hinaus, und das kraftvoll und intensiv, weil es ja eine Gemeinschaft ist, in der sich Kräfte bündeln. Und in dem Größeren, Umfassenderen fehlen uns erst einmal die Worte. Wir erleben uns neu, atmen neu, sind befangen; es ist fremd, undeutlich, und doch spüren wir Vertrautes, das wir vergessen hatten: neue Rhythmen, neue Atmungsvorgänge, die uns mit anderen, die dort ebenfalls angekommen sind, verbinden.

Wohin geht der Weg der Menschheit? Geht er nicht ins Offene? Wir sind eine Menschheit, und jeder Einzelne von uns ist – wie besonders er auch sein mag – einfach nur … Mensch.

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