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Licht – Essenz unseres Daseins

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Einmal stach mich eine Biene in den Hals – und brachte eine Zyste im Auge zum Ausfließen. Der Zusammenhang erschloss sich mir erst im Nachhinein. Ich hatte den Eindruck, dass mir die Biene „geschickt“ wurde.

Wer mit Wachsamkeit durchs Leben geht, kann die Empfindung bekommen, dass manche Begegnungen und Ereignisse nicht ganz „zufällig“ sind.

Wodurch entstehen die wundersamen Verbindungen, die wir in unserem Leben beobachten können? Ist es Karma? Ist es göttliche Vorsehung? Hängt es damit zusammen, dass Gott in allem ist oder alles in Gott?

1946 schrieb Paramhansa Yogananda (1893-1952) in seiner Autobiographie im Kapitel Das Gesetz der Wunder:

Gottes erster Befehl an Seine Schöpfung brachte die einzige atomare Wirklichkeit ins Sein: das Licht. Auf den Strahlen dieses immateriellen Mediums finden alle göttlichen Manifestationen statt.[1]

Bei einer Lichtvision hörte Yogananda eine Stimme, die ihm erklärte:

Was du siehst, ist die Mechanik des kosmischen Projektors. […] Er wirft seinen Strahl auf die weiße Leinwand […] und ruft dadurch das Bild deines Körpers hervor. Siehe, dein Körper ist nichts als Licht![2]

Der Mensch kann sich aus seinen Fesseln befreien                         

Yogananda spricht von der Möglichkeit, den stofflichen Körper vom Gesetz der Schwerkraft zu befreien, und zwar mit Hilfe der schöpferischen Lichtstrahlen. Hierbei bezieht er sich auf einen Meister, einen vollendeten Yogi, dessen Bewusstsein sich mit dem gesamten Universum identifizieren kann. Seine atomare Energie wird durch die „Vernichtung der Materieteilchen“ als Licht, als Essenz von Biophotonen freigesetzt, was ihm ermöglicht, sich mit Lichtgeschwindigkeit fortzubewegen und sich beliebig zu materialisieren oder zu dematerialisieren.[3]

Wer sich selbst als allgegenwärtigen Geist erkannt hat, unterliegt nicht länger den Beschränkungen eines Körpers in der Begrenztheit von Zeit und Raum. Er hat sich aus deren Fesseln befreit und kann jetzt sagen: „Ich bin Er.“ [4]

„Es werde Licht. Und es ward Licht“, so lesen wir in der Genesis im Alten Testament (1. Mose 1,3).

Gottes Allgegenwart in der Welt ist sein Licht. Es scheint über Gute und Böse. Laut neuerer Physik kann sich Licht als Teilchen oder als Welle darstellen. Die Quantenphysik sagt ferner, dass der Beobachter durch die Art, wie er beobachtet, Einfluss darauf nimmt, in welcher Weise sich das Licht zeigt.

Wenn ich einen Käfer beim Krabbeln beobachte, kann es sein, dass er plötzlich innehält. Er hat mich bemerkt. Könnte das Licht, auf das sich ein Physiker bei seinem Experiment richtet, ebenfalls lebendig sein?

Licht des Geistes

Die Weisheitslehrer berichten uns, dass hinter der stofflichen Sonne eine geistige Sonne verborgen ist. Daraus können wir schließen, dass sich hinter dem physikalischen Licht ein geistiges Licht befindet. Es wirft keinen Schatten, da Gegenstände der Materie es nicht auffangen können. Es bringt alles hervor, trägt alles, strahlt in allem und durch alles hindurch. Licht – geistiges und physikalisches – macht die Dinge erkennbar, es schafft Bewusstsein. Im Materiellen wirkt es polarisierend, wirft vielfältige Schatten und erzeugt Gegensätze. Daraus entsteht Maya, die Welt der Erscheinungen.

Nach erschütternden Erfahrungen vom 1. Weltkrieg schreibt Yogananda über das Hören einer göttlichen Stimme, die sich seinem mitleidenden Gemüt offenbart:

„Die Schöpfung besteht sowohl aus Licht als auch aus Schatten, denn sonst kämen keine Bilder zustande. In der Welt von Maya müssen Gut und Böse stets abwechselnd das Zepter übernehmen. Wie sollte sich der Mensch jemals nach einer anderen Welt sehnen, wenn es in dieser nichts als Freude gäbe? Wenn er nicht leidet, wird er kaum einen Gedanken an seine verlorene ewige Heimat verschwenden.“ 4

Manche Menschen können schier verzweifeln an der Frage der Theodizee „Wie kann Gott so etwas zulassen?“ Das Gesetz der sich wandelnden Polaritäten sorgt jedoch dafür, dass wir in unserem Unverstand nichts für immer manifestieren können, auch das Böse nicht. Alles aber muss sich im Licht offenbaren, muss sein „Gesicht“ zeigen. Uns ist es aufgegeben, die Dinge und uns selbst mehr und mehr zu durchschauen. Wo befinden wir uns? Was findet eigentlich statt?

Gerade heute, in der dramatischen Weltsituation von Pandemie und Naturkatastrophen, ist es gut, sich daran zu erinnern, dass uns nichts und niemand etwas Böses antut. Wir selbst haben mit dem zu tun, was stattfindet. Wir sind mitverantwortlich für das, was sich in der Welt offenbart. Die Dinge zeigen uns etwas von uns selbst.

Wir sind aufgefordert, auf der Grundlage tiefer Erkenntnis eine Kursänderung anzusteuern, hin zur verlorenen ewigen Heimat. Auf einem solchen Weg rufen wir Lichtkräfte auf, durch die Zahllose inspiriert werden, sodass sich der Zusammenhang der Dinge zeigt. Ein neues Bewusstsein ist die Folge. Auf seiner Grundlage ändert sich das Leben nachhaltig.

 

 

 


[1] Paramhansa Yogananda, Autobiographie, München 1996, S. 320

[2] A. a. O.

[3] A. a. O., S. 315

[4] A. a. O., S. 319

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