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Weihnachten und drei weitere Schritte Teil 3: Der neue Mensch

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Im vorhergehenden Text „Die Grenze des menschlichen Bewusstseins" haben wir begonnen, die Zusammenhänge zwischen den alchemistischen Phasen und vier wichtigen Charakteren der Evangelien (Herodes, Johannes der Täufer, Jesus und Christus) und ihren ägyptischen Entsprechungen (Ptha, Ramses, Osiris und Horus) aufzuzeigen. Wir haben gesehen, dass der alchemische Prozess mit der Geburt des Lichtes bei Herodes (oder Ptha) beginnt und bei Johannes (oder Ramses) an seine Grenzen stößt. Wir wollen nun die Entfaltung des Prozesses, die Grenzüberschreitung, mit Jesus (oder Osiris) und seine Krönung mit Christus (oder Horus) ansprechen.

Jesus und Osiris: Geistiges Bewusstsein

In ihrer inneren oder esoterischen Symbolik sind Johannes und Jesus nicht unbedingt Cousins. Man könnte sie als Brüder oder fast als Zwillinge bezeichnen, da sie zur gleichen Zeit geboren werden und die Geburtsgeschichte ganz ähnlich ist.

Sowohl Zacharias und Elisabeth als auch Josef und Maria stellen in verschiedener Hinsicht Kopf und Herz des Menschen dar. Damit Johannes (das vollständige menschliche Bewusstsein) entstehen kann, muss im Menschen auch ein Prinzip einer anderen Ordnung geboren werden, das die göttliche Seite des Johannes ist und das er noch nicht sieht, denn es entfaltet sich jenseits seines Selbst, jenseits der Jordangrenze. Dieses andere Prinzip ist Jesus.

Unweigerlich kommt es aber zu einer Begegnung, die einen weiteren Schritt auf dem Entwicklungsweg einleitet. Sie treffen sich am Jordan. Der eine kommt von der einen Seite, der andere von der gegenüberliegenden. In entsprechender Symbolik wird von dem „Durchzug durch das Rote Meer" gesprochen oder von der „Welt der Lebenden und der Toten" an den beiden Ufern des Nils oder auch von der „großen Suche nach dem, was jenseits von Finisterre liegt" auf dem Jakobsweg. Wenn das universelle Prinzip (der Funke des Geistes, die Lotusblume – so viele Namen wurden dafür vergeben!), wenn dieser Same aktiv wird und keimt, beginnt das johanneische Bewusstsein, den Weg der Transzendenz, der Überwindung der Grenze, zu suchen, bis es ihn findet. Und dann geschieht, was das Evangelium mit den Worten ausdrückt: Johannes wird enthauptet.

Dieses schöne Symbol muss gut verstanden werden, denn es bedeutet nicht den Tod des Johannes. Es lehrt uns, dass das johanneische Bewusstsein, hier repräsentiert durch das Haupt, die Leitung an die neue Kraft, das universale Prinzip, das in vollem Wachstum begriffen ist, abgibt. So wird die Grenze des menschlichen Bewusstseins durch die Vereinigung des Universalen und des Menschlichen, des Geistes und der Seele überwunden. Es entsteht ein geistiges Bewusstsein, ein Bewusstsein, in dem die Kraft des Universums fließt, nicht nur als Impuls, nicht nur als treibende magnetische Kraft oder intuitives Verständnis, sondern als die Kraft des Geistes, die sich organisch mit dem Menschen verbindet – und so beginnt der Prozess der Transmutation.

Symbolisch gesprochen erhebt sich nun der Caduceus, der Hermesstab, der aus zwei Schlangen besteht, die sich um einen zentralen Stab mit einem großen geflügelten Kreis oben und einem Kreis unten, wo alles ruht, schlingen.

Dieses Symbol entspricht dem des Lebensbaumes. Es repräsentiert unsere Wirbelsäule und alle Energiezentren, die entlang der Wirbelsäule existieren, sowie das sympathische und parasympathische Nervensystem. Wenn die Wiedergeburt des Bewusstseins stattfindet, wird es wieder zum Baum des Lebens. Jesus symbolisiert das göttliche universelle Bewusstsein in Johannes, in gleicher Weise, wie Osiris dies in Ramses tut, dessen Bewusstsein dadurch die Grenzen der menschlichen Manifestation überschreitet. Das ist der Grund, warum Ramses in der Form von Osiris dargestellt wird.

Damit kommen wir zur vierten und letzten alchemischen Phase.

Christus und Horus: der neue Mensch

Nach dem Nigredo, wo ein Same in Herodes oder Ptha gepflanzt worden ist; nach der Albedo, wo der Kandidat unter dem Einfluss des keimenden Samens als Johannes oder Ramses das volle menschliche Bewusstseins erringt und an die Grenzen stößt, nach dem „Pfauenschwanz“, wo durch Jesus oder Osiris die Brücke zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen entsteht, kommt nun die letzte Phase der Alchemie, symbolisiert durch Christus oder Horus: die Fülle, die Wiedergeburt. Die Phase des Rubedo ist erreicht, wo das Gold des Geistes sich unlösbar mit der Form, mit dem menschlichen Blut verbindet und sich im sterblichen Menschen die unsterbliche seelische Gestalt bildet.

Herodes

Johannes

Jesus

Christus

 

 

Ptha

Ramses

Osiris

Horus

 

 

Erwachen des Bewusstseins

(Same)

 

Die Grenze:

Vollständiges Bewusstsein

(Knospe)

Geistiges

Bewusstsein

(Blüte)

 

Neuer Mensch:

Geist, Bewusstsein

und Körper

(Frucht)

 

Nigredo

Albedo

 Pfauenschwanz

 Rubedo

 

                 

Die Wirksamkeit des Caduceus des Hermes weckt ein geistig-seelisches Bewusstsein und verwandelt dabei alle Ausdrucksformen der Seele: was wir denken, was wir fühlen, was wir wahrnehmen und was wir tun. Aber diese Transmutation geht über die Ebene des Bewusstseins hinaus und lässt einen feinstofflichen (seelischen) „Körper“ entstehen, der nicht mehr an unsere Natur gebunden ist.

Deshalb spricht das Christentum von der „Wiedergeburt aus Wasser und Geist". Sie kommt aus der Vereinigung mit dem neuen Prinzip zustande, das Geist, Seele (oder Bewusstsein) und Körper verwandelt und auf höherer Ebene vereint. Die dreitägige Pause zwischen Tod und Auferstehung Christi weist unter anderem hierauf hin.

Die gesamte Symbolik des Christentums sowie alle Traditionen der universellen Lehre deuten auf die gleiche Möglichkeit, den gleichen inneren Weg der Verwandlung hin. Er beginnt symbolisch mit der Feier von Weihnachten, dem Moment, in dem der Same des Lichts im Herzen des Menschen aktiv wird. Wenn die entsprechenden Bedingungen hierfür geschaffen werden, kann er keimen, wachsen, blühen und zu einer neuen Frucht werden, die sich mit dem Menschen selbst vereint.

Dieser Weg ist der Weg von gestern, heute und der Zukunft, da er die innere Realität betrifft, die im Menschen auf ihre Manifestation wartet. Die erforderlichen Impulse, Erläuterungen und die notwendige Begleitung wurden und werden in spirituellen Bewegungen angeboten, auch in der Schule des Goldenen Rosenkreuzes.

So zeigt sich in der geistig-seelischen Grundstruktur des Menschen der gemeinsame Nenner aller religiösen und spirituellen Bemühungen der Menschheit.

 

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