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Logon und der Weg des Einen Teil 2

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Wir können uns dem Leben öffnen, dem einen Leben, können seelische Dimensionen in unser Erkennen mit einbeziehen. „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren / sind Schlüssel aller Kreaturen, wenn die, so singen oder küssen, / mehr als die Tiefgelehrten wissen“, reimte schon vor 200 Jahren Novalis. Das Eine wirkt weiter. Naturwissenschaftler erläutern die Außenseite der Dinge; um ihre Innenseite und insbesondere das Bewusstsein zu erfassen, bedarf es der seelischen Wahrnehmung. Ihrer Entfaltung können wir uns widmen.

Vor Jahrhunderten litten die Menschen unter dem Unheimlichen in der Natur. Mithilfe des Denkens wollten sie es in den Griff bekommen. Heute tritt uns das Unheimliche in den Auswirkungen unserer Technologien entgegen. War einstmals „Mutter Erde“ übermächtig, so sind es jetzt unsere eigenen Schöpfungen. Wer mag auch nur darüber nachdenken, wie sich die künstlich freigesetzte Radioaktivität auf Erde, Naturreiche und menschliche Bewusstwerdung auswirkt? Wer vermag zu erfassen, in welchem Ausmaß die Bestrebungen, Mensch und Maschine zu vereinen, unsere Identität beeinträchtigen?

Das zu Große hat sein Gesicht verändert. Dabei allerdings werden uns neue Erkenntnisse möglich. Was uns heute als so unheimlich gegenübertritt, das haben wir aus uns selbst herausgesetzt. Es sind die Ergebnisse und Konsequenzen unseres Denkens. Unsere Motivationen, unser innerstes Bestreben, all das tritt uns in den weltweiten Netzen der Technologien gegenüber. Bei allem, was sie uns ermöglichen, bleiben wir doch in ihnen gefangen, ja werden von ihnen bedroht. Geht unser Drang zur Selbstverwirklichung vielleicht in die falsche Richtung?

Unsere Geschöpfe ergreifen uns. War es nicht so, dass einstmals der ursprüngliche Geist in seiner Schöpfung, dem Menschen, versank, ja gleichsam von ihm ergriffen wurde, damit daraus ein irdisches Ich wird? Nun vollzieht sich Gleiches beim Menschen: er versinkt in seiner Schöpfung, der Technik, wird von ihr ergriffen – und sie bekommt menschliche Züge. Es ist erneut Zeit für einen Befreiungsschlag, aber nun in einer anderen Richtung.
Das Eine hilft auch hier weiter. Auch in der heutigen Not geht ein Impuls von ihm aus. Das Bewusstsein kann sich, mit einem gewissen Mut, ihm zuwenden. Es kann die Hand dessen ergreifen, das nicht fassbar ist, sich dem beugen, das über den Verstand geht. Der Logos dient als Vermittler, wenn er in uns erwacht.

Wir sprechen vom Kommunikationszeitalter und Informationszeitalter. Eine neue Art von Kommunikation und Information ist möglich, eine dritte Art des Denkens. Neben die horizontale und vertikale Richtung kann ein Denken treten, das sich für den innersten Kern des Menschseins öffnet.

Die Kommunikation, die daraus entsteht, kann sich zu einer Kommunion entwickeln, einer Gemeinschaft, einem Sich-Nähern von zwei Polen, dem vergänglichen und dem unvergänglichen unseres Lebens. Und die In-formation, die dabei fließt, führt zu einer neuen Form im Innern, einer neuen Gestalt des Bewusstseins. Darin liegt ein Wandlungsprozess. Wir erwachen aus dem, zu dem wir uns gemacht haben.

Offenbar mussten wir uns auf bedrohliche Weise in der Technik gegenübertreten, um uns schließlich doch noch erringen zu können. Das Eine ist auch in uns. Ja, „wir“ sind es in unserem innersten Kern. Sinnesorgane, nach innen gerichtet, können sich entfalten. Ein dreifaches Denken führt zu unmittelbarem Erfassen.

Goethe schreibt über Johannes Kepler:
Kepler sagte: „Mein höchster Wunsch ist, den Gott, den ich im Äußern überall finde, auch innerlich, innerhalb meiner gleichermaßen gewahr zu werden.“ Der edle Mann fühlte, sich nicht bewusst, dass eben in dem Augenblicke das Göttliche in ihm mit dem Göttlichen des Universums in genauster Verbindung stand.
(Maximen und Reflexionen (Nr. 8)
Und an anderer Stelle sagt Goethe: „Was wär ein Gott, der nur von außen stieße!“

Hierin liegt ein Weg, ein Ausweg aus unserer heutigen Situation. Das Göttliche im Innern des Menschen will in Verbindung treten mit dem Göttlichen des Universums. Dabei werden Welterkenntnis und Selbsterkenntnis zu Einem. Ringen wir darum! Oder, anders gesagt: Lassen wir es geschehen! Der Logos in uns macht das Unmögliche möglich. LOGON möchte immer wieder davon erzählen.

 

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