Balançoire coeur

Brief an einen jungen suchenden Menschen

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Ältere glauben vielleicht, Du seiest ein Glückspilz, weil Du dir die fundamentalen Fragen so früh stellen kannst. Aber ist es so? Schon in Deinem Alter eine Beziehung zu den spirituellen Dimensionen zu bekommen, macht das Leben nicht leichter. Manches wird eher schwieriger. Denn es gibt keine vorgefertigten Antworten auf die Fragen, die in Dir aufsteigen.

Gedanken gehen einem durch den Kopf, meist kreisen sie um das Ich, das sich in zahllosen Gesichtern zeigt. Von ihnen überdeckt wird das wahre Selbst, das so gewaltig ist, dass kein Gedanke es erfassen kann.

Diejenigen, die meinen, Du seiest ein Glückspilz, spüren vielleicht, dass Du zu Deinem wahren Selbst bereits eine Beziehung aufgebaut hast und seine Freude, seine Majestät, seine Liebe und Weite sich in Dich ergießen.

Die das bei Dir erahnen, hatten selbst einmal eine solche Berührung erfahren. Bei einigen geschah es, als sie zum ersten Mal in ein reines Ätherfeld (Seelenfeld) traten, wie es im Tempel einer Geistesschule zu finden ist. Sie haben dann im Laufe der Jahre gelernt, mit den Kräften eines solchen Feldes umzugehen. So begann sich für sie die Tür zum wahren Selbst zu öffnen. Es gibt das Leben vor einer solchen Erfahrung und das Leben, nachdem man sie gemacht hat. Durch die verwandelnden Kräfte des Innersten ergriffen zu werden, bedeutet einen Wendepunkt im Leben. Ein solcher Weg erfordert Anstrengungen und Konsequenzen, und der eine oder andere mag glauben, dass es für Dich einfacher sei als für ihn.

Andere sehen es vielleicht genau umgekehrt. Sie denken, dass sich junge Leute erst einmal ihr Leben aufbauen müssen und deshalb gar keinen Raum haben für spirituelle Erfahrungen und ihre Umsetzung. Aber auch das ist zu pauschal gedacht.

Wie ist es bei Dir? Kannst Du zwischen Deinen Aktivitäten im Alltagsleben und dem Feld der Ewigkeit unterscheiden? Erkennst Du den Unterschied zwischen den linearen Dimensionen, denen wir im normalen Leben folgen und dem unbegrenzten Universum, von dem alles Sichtbare getragen wird und das sich im tiefsten Selbst widerspiegelt? Alles ist miteinander verflochten.

Das Leben könnte einfacher sein, gäbe es keine Ewigkeit, keinen spirituellen Kern in unserem Innersten, den man bei allem Verhalten in Rechnung stellen muss. Genau genommen sind wir es gar nicht, die die wirklich tiefgreifenden Entscheidungen treffen. Entweder werden wir gerufen von der ewigen Seele – oder nicht. Entweder erwacht sie und verbindet sich mit uns – oder nicht.

Du kannst versuchen, Dein Leben so zu gestalten, als gäbe es diese Öffnung in Dir gar nicht. Als gäbe es den Ruf der großen Kraft gar nicht, die zur höchsten Freude, zum Einswerden mit allem Leben, zu nicht beschreibbarer Herrlichkeit einlädt. Denn mit dem Ruf geht auch Schmerz einher. Das Getrenntsein wird umso leidvoller erlebt und auch die Unfähigkeit, die Dinge wirklich zu durchschauen. Es ist nicht leicht, mit diesen beiden, so völlig unterschiedlichen Erfahrungsbereichen zu leben, es erfordert Spannkraft und Reife.

Wenn die Kraft des Ewigen Dich von Deinem Innersten her ruft, kannst Du sie vernehmen. Nicht mit Deinen Ohren, sondern als seelische Berührung. Auch nicht mit den Augen. Aber das Seelenlicht leuchtet auf in Dir und geht von Dir aus. Es ist eine Vibration, die wahrgenommen wird von Menschen, die hierfür empfänglich sind.

Vielleicht sagst Du: „Nein, nein, ich verspüre nichts dergleichen.“ Aber: Die innere Situation führt Dich zu bestimmten Erfahrungen. Deine Freunde werden, ohne dass ihnen das bewusst ist, von dem Licht in Dir berührt. Und Du kannst merken, dass Dir der Umgang mit jungen Menschen, die dasselbe Licht in sich tragen, leichter fällt. Es kommt nicht darauf an, was wir im äußeren Leben darstellen, sondern welcher Art unsere Seele ist. Wie viel Klarheit ist in uns, wie viel Tiefe, Feinsinnigkeit, Magie?

 

Eine innere Magie will heranwachsen

Entscheidest Du Dich dazu, dieser Magie der Seele zu vertrauen, wirst Du erstaunliche Dinge erleben, so wunderbar, dass keine Worte sie beschreiben können. Aber es ist eine Prüfung damit verbunden: Du musst Geduld haben, es benötigt Zeit. Du bist auf diesem Weg nicht so allein, wie Du manchmal meinst.

Versuch mal Folgendes: In Momenten, in denen Du gar nicht glücklich bist, in denen Du Deine ganze Unvollkommenheit siehst – sei in solchen Augenblicken nicht unzufrieden mit Dir. Projiziere Deine Gefühle auch nicht auf andere. Nimm Dir die Zeit, zu erspüren, was Dich aus Deinem Innersten heraus leiten will. Und suche einen Weg zu diesem inneren Gefährten. Es gibt einen seelischen Faden, der Dich zu ihm führt, eine Magie, die in der Stille wirkt. Es kann sein, dass Du dann plötzlich grenzenlose Hoffnung erfährst. Projiziere sie nicht auf irgendeine Person oder eine Sache, die Du erreichen möchtest, sondern lass sie in Dir wachsen.

Lass Dich nicht entmutigen dadurch, dass Du noch nicht „siehst“. Unser irdisches Ich hat den Zweck, der Kapitän Deines Schiffes im täglichen Leben zu sein. Die Brücke zur ewigen Seele kann es nicht bauen. Das geschieht nur durch die Magie, die von der Seele selbst ausgeht.

Sie benötigt diese Magie, um sich von der Stoffumklammerung zu befreien und sich ihrer selbst bewusst zu werden. Und um dann in ihrer Wirklichkeit zu handeln, die weitreichend ist und freudevoll. Sie vereint sich mit anderen zu gemeinschaftlichem Wirken.

Das entbindet Dich nicht davon, Dich um Dein tägliches Leben zu bemühen, um Deine Freunde und alles Andere. Im Gegenteil, Du weckst in Dir eine Energie, die Dir bei allem hilft. Und oft genug steigt Freude auf, wenn Du erkennst, wie alles miteinander verwoben ist.

Du wirst den Wegen des Lebens folgen, das sich selbst enthüllen will – und das mit Deiner Hilfe. Aus seinem großen Reichtum wird es immer neue Aspekte erwecken. Sie werden vor Dich treten und Du kannst mit ihrer Hilfe Deine Beziehungen zu Dir selbst und anderen gestalten. Eine bisher nicht vorstellbare innere Freundschaft zu vielem wird in Dir entstehen. Und Du wirst spüren, dass sich etwas von Deiner Sehnsucht erfüllt.

Ich möchte Dir die Freude wünschen, die damit einhergeht.

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