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Das Erbe weitergeben

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Die hohen Werte, aus denen sich unsere innere Arbeit speist, sind mehr als bloße philosophische oder esoterische Gedankengebäude. Sie können erfahren und weitergegeben werden, denn sie entspringen den Bemühungen derer, die in der Vergangenheit einen spirituellen Weg gegangen sind. Wir können für all die vom Geist inspirierten Seelen dankbar sein, die unermüdlich auch für unser Erwachen gearbeitet haben, für die Generationen von Pionieren, die den Weg gebahnt haben, den wir heute gehen. Sie haben ihre Herzen und ihr Bewusstsein für die Universalität des Göttlich-Geistigen geöffnet. Wie sollen wir diesen Schatz, dieses großartige Erbe, verstehen?

Glücklicherweise haben wir keine Kriterien, um unsere eigene Wirksamkeit in der Welt zu messen. Aber wir können uns dessen bewusst sein, was wir empfangen haben und daran arbeiten, diesen immateriellen Schatz weiterzugeben.

Wenn ein spirituell strebender Mensch seinen Stoffkörper – und damit zugleich einen Teil seines ätherischen Körpers – ablegt, werden die Äther, die mit seinen Eigenschaften und Idealen geprägt sind, buchstäblich frei. Die Verbindung mit dem Geist, der in ihm Gestalt angenommen hat, wird gleich einer Erbschaft all denen übertragen, die noch im Stoff leben und dafür offen sind.

Diese Erbschaft besteht aus Kraft und Weisheit. Es ist eine Stärkung, derer wir uns nicht unbedingt bewusst sind, und deren subtile Art wir nur langsam begreifen und zur Blüte bringen. Dennoch ist eine solche Übertragung ein wichtiger Teil unseres Weges. Sie geht von einzelnen aus, aber auch von der Gesamtheit der befreiten Seelen, die in den göttlich-geistigen Lebensfeldern vereint sind und sich der Menschheit zuwenden.

An welchem Ort vollzieht sich eine solche Übertragung? Wo findet die innere Zeremonie statt, die uns der höchsten Werte würdig macht? Es geschieht im Tempel des Herzens - und an den Orten, wo sich suchende Seelen versammeln.

Die rufende und verwandelnde Kraft ist für alle und nicht nur für wenige bestimmt. Wer sie empfängt, wird sie weitergeben und allen zugänglich machen. Aus dem Geist zu leben bedeutet, die Aufgabe und Verantwortung anzuerkennen, alles Empfangene weiterzugeben.

Nach wie vor gibt es traditionelle Gesellschaften, in denen der Älteste (manchmal ein Kreis von Ältesten) das Wissen und die Macht innehat. Er bewahrt beides, bis eine neue Generation die Verantwortung für das Erbe übernehmen und es weise anwenden und weitergeben kann. In Afrika sagt man, „wenn ein weiser Mann stirbt, verschwindet eine Bibliothek“ [1] Doch nichts von der reinen Kraft geht verloren.

Alle, die einen spirituell befreienden Weg gehen, tun dies an der Seite zahlloser "Brüder und Schwestern", die in der ganzen Welt verstreut leben. Sie haben Anteil an einem differenzierten Feld geistiger Kräfte, die sie ihrerseits austeilen. „Gebt, so wird euch gegeben“ ist das Gesetz dieser Arbeit – und die Manifestation eines Kreislaufs: eine Gabe erzeugt die nächste in einer nährenden und freudevollen Spirale des Aufstiegs.

 


[1] In Mali (Westafrika) kennt man den Griot, den Dichter, Sänger, Chronisten und Weisheitslehrer

 

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