Condor

Hymne auf einen Erwachenden

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Gesegnet bist du, der du auf Grenzen wandelst, auf schmalem Grad. Geschärft sind deine Sinne für feinere Wahrnehmung, nicht mehr gefangen von Glanz und Glamour. Du durchschaust das Spiel der Medien. Äußeres kann deine Sehnsucht nicht mehr stillen, Fremdling bist du geworden. Nichts von dem, was du errungen hast, kann dich noch begeistern; du legst es ab, ernüchtert. Dein Boden ist der der Erfahrung. Auf ihm erlernst du Freiheit. „Narr des Königs“ bist du geworden und verkündest ihm seine Narrheit. Spiegel bist du für ihn und er ist es für dich. Dein Königreich allerdings geht über Sichtbares hinaus.

Gesegnet bist du, der die Tür des Schafstalls aufbricht, damit die Schlafenden klare Nachtluft erhalten.

Gesegnet bist du, der Sehnsucht und Träume, Ideale und Utopien nährt, da sie, wie Goethe sagte, früher oder später Wirklichkeit werden.

Gesegnet bist du, der du dich nicht länger davor fürchtest, auszuscheren aus dem Sog sozialer Mechanismen, taub zu werden für den Trommelschlag anderer.

Gesegnet bist du, der Abschied nimmt vom Possenspiel, der das Zwangskostüm ablegt und dahinter innere Schönheit erkennt.

Gesegnet bist du, der den menschlichen Geist und die Materie durchgründet und erlebt, was Maja ist, große Täuschung.

Gesegnet bist du, in dem das Ideal als eigener Besitz aufsteigt, als Glaube, geboren aus einem inneren Ruf, den Weg einzuschlagen in neues, fruchtbares Land.

Gesegnet bist du, der, von innen her gedrängt, durch Wort und Tat das Neue umfängt und Illusionen und Vorspiegelungen schöner Worte zurücklässt.

Gesegnet, ja gesegnet bist du, Bruder, Schwester, der du den offenen Blick auf die Menschen richtest, sodass noch viele Herzen erwachen in der Wirklichkeit hinter der Welt der Erscheinungen.

Ja, lass uns den Weg gemeinsam beschreiten, im frohen Wissen, an der Grenze zu gehen, in starkem Wind, am Ufer zur offenen See!

 

 

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