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Der Golem Teil 3: Die Zukunft

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Man kann zwölf Leitideen entdecken, zwölf Illusionen, zwölf Versuche, unsere Welt in ein Paradies zu verwandeln. Die Alten sprachen von Äonen, atmosphärischen Kraftkonzentrationen, von denen Impulse ausgehen, die unser Leben beeinflussen. Unter anderem rufen sie den Drang hervor, hier in unserer Welt Ideales zu erschaffen und zu verankern.

In dem Buch Die gnostischen Mysterien der Pistis Sophia gibt Jan van Rijckenborgh Einblicke in die Wirksamkeit der zwölf Äonen.[1] Er beschreibt den 9. Äon als den Traum der Vergöttlichung unserer „dialektischen“ Welt, als den Impuls, einen göttlichen, unsterblichen Status in unserem materiellen Lebensfeld zu erreichen. Im zehnten, elften und zwölften Äon treffen wir dann, so van Rijckenborgh, auf drei aufeinander folgende Impulse, die der Realisierung dieses Traumes dienen. Die letzte Phase, der zwölfte Äon, betrifft die materielle Verwirklichung. Es ist der Versuch der Manifestation einer gottgleichen Persönlichkeit in der physischen Welt.

Vielleicht schreiben wir in unserer Zeit an einem neuen Kapitel in dem alten Buch über den Golem. Lemurisches wiederholt sich auf anderer Ebene. Erneut werden Roboter erschaffen, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz. Einige von ihnen sind uns schon erstaunlich ähnlich: sie empfangen Gäste, spielen Fußball und führen sogar komplizierte medizinische Operationen durch. Auch gibt es schon autonome Roboter mit künstlichen Gehirnzellen. Ihr Verhalten ist zwar noch auf einer elementaren Stufe, doch werden sie uns höchstwahrscheinlich schnell ein- und überholen.

Der zehnte Äon stimuliert die Ideen und mentalen Konzeptionen, die mit den künstlichen Formen des Lebens zusammenhängen. Er führt zu Fragen wie: Ist es möglich, die Inhalte der menschlichen Gehirnzellen einem künstlichen Gehirn zu übertragen, um über den Tod hinaus Wissen und Bewusstsein zu konservieren? Wie lassen sich Roboterteile in einen Körper einbauen, um einen Super-Menschen, einen Cyborg, entstehen zu lassen? Wird sich dann noch eine Linie ziehen lassen zwischen natürlichem und künstlichem Leben? Wäre ein Android, der dem Menschen in hohem Maße ähnelt, ein lebendes Wesen? Schließlich denkt und lernt er und hat Gefühle. Was heißt es eigentlich, zu leben?

Der elfte Äon bringt die mentalen Entwürfe einen Schritt weiter. Er drängt zu philosophischen Themen, zu Ethik und Moral, zur Frage nach „richtig“  oder „falsch“. Unter dem Einfluss dieses Äons versuchen wir, unsere Intentionen zu begründen und zu rechtfertigen. Eine Aussage wäre zum Beispiel: „Vielleicht ist es möglich, alle landwirtschaftlichen Arbeiten von Robotern ausführen zu lassen. So könnten mehr Lebensmittel produziert und dem Hunger in der Welt ein Ende gesetzt werden.“ Oder: „Wäre es nicht schön, wenn ein Android alten Menschen beim Einkaufen helfen und ihnen Gesellschaft leisten würde, wenn sie sich einsam fühlen?“

In unserer Welt hat allerdings jede Münze zwei Seiten. So ist auch die Militärindustrie sehr interessiert am künstlichen Menschen. Immer häufiger lesen wir von Attacken, die mit sogenannten Drohnen ausgeführt werden. Noch werden sie von einem Soldaten ferngesteuert, der die Entscheidung trifft, ob das Feuer eröffnet wird oder nicht. Doch mittlerweile ist auch die autonome Drohne entwickelt worden, ein selbstständig agierender Roboter. Mit seiner künstlichen Intelligenz verfolgt er ein gegebenes Ziel und entscheidet, ob er sein Gegenüber eliminiert oder nicht. An diese Entwicklung setzen doch einige ein Fragezeichen. Denn es werden Grenzen überschritten.

Wird Dr. Frankenstein erneut das Opfer seiner eigenen Schöpfung? Lemurien wurde von den Wellen des Ozeans verschluckt, und später traf Atlantis das gleiche Schicksal. Wird „Zeus“ uns mit einem seiner Blitze treffen, wie es bei Phaeton geschah?

Ein ganz anderer Impuls ist möglich

Die Imitation des Göttlichen, die heute in großem Stil vorangetrieben wird, ist unabwendbar. Sie kann jedoch auch einen Impuls ganz anderer Art in uns auslösen, gleichsam als eine Gegenrichtung zu der immer tieferen Verstrickung mit der Technologie: Wir können den Weg wählen, der in unser wahres Zuhause führt. Nicht den Weg der Karikatur des himmlischen Menschen, sondern den seiner spirituellen Wiedergeburt. Unsere wahre göttliche Identität kann aus ihrem Todesschlaf erwachen, wenn wir uns ihr zuwenden.

In den heiligen Büchern vieler Kulturen wurde über die Auferstehung des Licht-Menschen geschrieben. Es gibt viele Zeichen, die uns dabei leiten können; auch die Natur bietet vielfache Hinweise. Wenn wir unter diesem Aspekt noch einmal auf die Statuen der Osterinsel schauen, so können sie wie ein Testament der Monade wirken. Sie weisen hin auf den göttlichen Menschen, der in einem materiellen Körper versunken ist. Die Statuen haben ihre Verbindung zum Licht verloren. Ihre Augen sind  kalt und tot. Aber, welch eine Koinzidenz, die Insel, auf der sie stehen, heißt Osterinsel.

Sie wurde von dem Niederländer Jacob Roggeveen an einem Ostersonntag entdeckt. Ostern aber ist das Fest der Auferstehung des göttlichen Menschen, das Fest des Sieges über den Tod. In der Auferstehung des „Ich bin“ erhalten die Augen der Monade ihren Glanz zurück.

„Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot; und siehe, ich bin lebendig in aller Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreiches.“[2]

Wir besitzen immer noch die Möglichkeit, den Licht-Menschen in uns aufleben zu lassen. Je mehr wir uns den Robotern angleichen, umso schwieriger kann es allerdings werden, den Pfad zur Freiheit zu gehen, die Gedanken überhaupt in diese Richtung zu lenken. Warten wir nicht zu lange!

 

 

 

 

 

             

                     

 


[1] S. Kapitel 24: Der Tierkreis – ein zwölffaches Gefängnis

[2] Offenbarung 1, 17

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