Werdung

Rainer Maria Rilke, Transformatin: Wendung

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Schauend wie lang?
Seit wie lange schon innig entbehrend,
flehend im Grunde des Blicks?

Denn des Anschauns, siehe, ist eine Grenze.
Und die geschautere Welt
will in der Liebe gedeihn.

Werk des Gesichts ist getan,
tue nun Herz-Werk
an den Bildern in dir, jenen gefangenen; denn du
überwältigtest sie: aber nun kennst du sie nicht.
Siehe, innerer Mann, dein inneres Mädchen,
dieses errungene aus
tausend Naturen, dieses
erst nur errungene, nie
noch geliebte Geschöpf.


Musik


Da ist ein Warten, ein Warten auf mich.
Ein Warten darauf, dass ich wach werde.

Tiere treten in meinen Blick, wenn er weit wird und offen,
wenn ich einen weiten Raum entstehen lasse,
einen Raum der Beziehung, in dem sie Platz haben.
Sie wollen sich in mir entfalten.
Blumen schauen mich an.
Ihre Lebenskräfte wenden sich mir zu,
wenn ich sie in mein Herz aufnehme,
in den großen Raum einer Beziehung,
in der ich mich zurücknehme,
in der ich selbst nichts will.
Dieser Innenraum ist weit und tief.
Er wirkt in die Dinge hinein.
Sie erfahren etwas von sich.
Und ich kann es ermöglichen.

Das Anschauen hat eine Grenze, sagt Rilke.
Die Welt, die ich aufnehme,
will in der Liebe gedeihn.
Ich soll Herz-Werk tun, sagt der Dichter.

Die geschautere Welt, die ich in meine Tiefe aufgenommen habe,
will in der Liebe gedeihen.
Das ist der Weltenwille.
Das erwartet er vom Menschen.

Die Dinge geben sich mir gefangen in meinem Innern.
Ich erlebe mich als Raum des Bewusstseins,
in dem sie ihre eigenen Wurzeln erleben.
In mir erheben sich die Dinge in die kosmische Liebe,
aus der heraus sie entstanden sind.
Ich vollende den schöpferischen Kreislauf.

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