Durch den sich Vögel weerfen

Rainer Maria Rilke, Transformation: Durch den sich Vögel werfen

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Raum greift aus uns und übersetzt die Dinge;
dass dir das Dasein eines Baums gelinge,
wirf Innenraum um ihn, aus jenem Raum,
der in dir west. Umgieb ihn mit Verhaltung.
Er grenzt sich nicht. Erst in der Eingestaltung
in dein Verzichten wird er wirklich Baum.


Musik


Die Dinge treten mir im Außen gegenüber.
Ich sehe, wie sie aussehen.
Ich höre es, wenn sie sich äußern.
Ich erlebe ihre Erscheinung.

Zugleich erlebe ich aber noch etwas anderes.
Das sind Kräfte, die von mir ausgehen.
Sie tragen meine Wesenheit in die Weite.
Der Dichter sagt: sie können meine Gestalt steigern.
Das geschieht, wenn ich den Fluss des Lebens,
in dem sie sich befinden, miterlebe.

Alles ist miteinander verbunden und fließt unsichtbar ineinander.
Die von mir aussströmenden Kräfte tragen meine Individualität mit sich,
sie teilen das, was ich bin, allem Lebendigen mit.

Und in allem was ich aufnehme, was ich empfange,
erlebe ich mich als großes Wesen Welt.  

Doch das hat nur Kraft und Wirkung,
wenn etwas von meinem Bewusstsein, meiner Wachheit dabei ist.
Denn an meiner Wachheit wollen die Dinge Anteil erhalten.
Wenn ich sie nicht habe, dann verströmen meine Kräfte
ohne Wiederkehr, sagt Rilke.

Ich kann mich bewusst ausatmen in die Welt,
und alles, was ich wahrnehme, kann ich wach in mich aufnehmen.
Ich kann den Kreislauf des Lebens vollenden,
wenn ich das, was ich einatme, mit dem Ursprung vereine,
der sich in mir regt.

Ich öffne seelische Räume für die Dinge,
in dem sie zu dem werden können, der sie in der Tiefe sind.

Mein Ego tritt beiseite. Die Quelle des Lebens durchströmt
den Herzensraum.
In ihn ist ein Wesen der Natur, ein Baum eingetreten.
Er verliert darin seine Begrenztheit
Denn ich mache Platz für ihn, indem ich zur Seite trete.

In den Wassern der Quelle, das aus der Tiefe meines Herzens sprudelt,
wird er wirklich Baum.
Die schöpferische Idee erfüllt ihn erneut.

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