Wie ist doch alles weit ins Bild gerückt

Rainer Maria Rilke, Transformation: Wie ist doch alles weit ins Bild gerückt

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Drum sorge nicht, ob du etwa verlörst.
Das Herz reicht weiter als die letzte Ferne.
Wenn du die eigne Stimme steigen hörst,
so singt die Welt, so klingen deine Sterne.


Musik


Ich lasse mich oft ergreifen von der Schönheit,
dem Zauber eines zwitschernden Vogels, einer Wolke,
einer Landschaft, die sich vor mir ausbreitet.

Was ist es, das mich da ergreift?
Seelisches tritt mir entgegen,
seelisches Land, das ich selbst bin, seelischer Klang,
seelischer Flug.

Unser Inneres zeigt sich in äußeren Bildern.
Es ist weit ins Bild gerückt, sagt Rilke.
Es ist Illusion, wenn man das Äußere für das allein Wirkliche hält.
Eigentlich geht es gar nicht, wenn man unbefangen etwas in der Natur anschaut.
Immer schwingt Inneres mit,
immer scheint etwas durch die äußere Hülle hindurch.

Im Äußeren wandeln wir uns, werden wir alt und verschwinden,
so wie jede Erscheinung in der Natur.
Doch wir verlieren nichts.
Im Gegenteil. Wir haben viel eingesammelt in unserem Dasein.
Wir haben vieles in unser Herz aufgenommen.

Der Dichter sagt:
Das Herz reicht weiter als die letzte Ferne.
Es reicht in die tiefsten Dimensionen der Innenwelten.
Ins Ewige.
Ich bin das äußere Abbild des Wesens Mensch,
das der Ewigkeit angehört.

Ich wende mich dem zu,
der ich in der Tiefe bin.
Eine andere, eine höhere Ebene beginnt in mir zu wirken.
Mein inneres Sprechen, meine Kommunikation
mit dem Anderen in mir wird zum Gesang,
zum Klang der Seele.

Und die Welt merkt es in ihrem Innern, sie singt mit, das Seelische in ihr singt mit.
Der Gesang wird beantwortet von den innersten Sternen,
die wir sind.

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