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Selbstrevolution und Selbstverwirklichung am Beispiel Jiddu Krishnamurtis und der Rosenkreuzer Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri - Teil 2

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(Zu Teil 1)

Selbstrevolution

Den genannten Pionieren ist gemeinsam, dass sie tiefe Selbsterkenntnis als Tür zur inneren Revolution ansahen: die fortgesetzte Selbsterkenntnis des Ego, die durch das Berührtwerden durch den / das „Andere“ erleichtert und vertieft wird, wodurch letztlich die Revolution im Innern möglich wird. Sie ließen keinen Zweifel daran, dass der Weg weder Selbstoptimierung noch Weltflucht ist, sondern das Enden des Alten und eine völlig neue Schöpfung.

Was die Pioniere entdeckten und formulierten, grundiert inzwischen die Anschauung vieler spiritueller Denker des 21. Jahrhunderts. Es trifft sich mit der Lebenserfahrung Vieler. Die Möglichkeiten für ein neues, vollständigeres Selbstverständnis des Menschen sind gewachsen. Die Weite eines unfassbaren, nichtsdestotrotz gegenwärtigen Anderen ist erfahrbar geworden. Zugleich stehen wir vor der nächsten Herausforderung: aus diesem neuen Denken zu leben, denn nur so wird die Selbstrevolution Wirklichkeit.

Sich dem Unbekannten öffnen

Um das neue Denken in Leben umzusetzen, braucht es Liebe. Was ist das für eine Liebe? In ihr öffnen sich die Herzen für das Unbekannte, in ihr wächst Vertrauen, in ihr werden die menschlichen Herzen zu wirklichen Horten des Verbundenseins und der Einheit mit dem Ursprung. Im Herzen eignet sich der Mensch eine Erkenntnis erst in Wahrheit an. Erleuchtende Erkenntnis, die aus einem Widerklang im eigenen Innersten entsteht, hat immer beide Aspekte: Weisheit und Liebe. Dennoch müssen die Herzen gereinigt werden, damit ein erster Schritt in die Einheit gangbar wird. Und es braucht noch mehr: Denn nach der Eroberung des Herzens müssen Wollen und Tun für das neue Sein geöffnet werden. Hier liegen die großen Barrieren der Gewohnheit und der Selbsterhaltung. Hier kämpft der Mensch den Kampf zwischen seinem höheren Wissen und seinem weiterhin wirksamen Sein als reines Naturwesen, dem ebenfalls Überzeugungen über das Menschsein zu eigen sind. Jene eichen das Ich-Bewusstsein immer wieder auf Abgrenzung, Angst und Aggression. Nach einem langen Reifungsprozess wird im Menschen erst die umfassende Entscheidung für das geistige Sein möglich – für ein geistiges Sein, das hier und jetzt lebbar ist und das alle Facetten des Alltags tragen und durchdringen kann.

Nicht nur das Bewusstsein um das geistige Sein ist atmosphärisch geworden. Der Weg dahin ist bereits von vielen beschritten worden, und viele beschreiten ihn noch. All dies sind Spuren im Atemfeld der Erde, denen alle Menschen folgen können, die davon etwas wahrnehmen. Die Frage drängt sich auf: Wieviel Wissen braucht der Mensch, um unmittelbar darauf zu reagieren, um direkt daraus zu leben? Sind wir schon reif genug, um die Intuition unseres Herzens rein lesen zu können? Wenn dem so wäre, dann könnte jeder Mensch, gleich wo er sich befindet, Zugang zum innersten Sein finden. Wenn genügend Menschen den Weg der Selbstrevolution ernsthaft beschreiten, entsteht die notwendige Klarheit für alle, die das abgekapselte Denken und Fühlen des Ichs durchbricht.

 

Jiddu Krishnamurti über Erleuchtung:

„Einige Dinge sind sehr klar. 1. Man muss völlig gleichgültig gegenüber ihrem Kommen und Gehen sein. 2. Kein Wunsch, die Erfahrung fortzusetzen oder im Gedächtnis abzuspeichern, darf anwesend sein. 3. Es braucht eine gewisse physische Empfindsamkeit, eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Komfort. 4. Es braucht einen selbstkritischen und humorvollen Zugang. Aber selbst wenn jemand all dies zufällig hat, nicht durch bewusste Kultivierung und Bescheidenheit, selbst dann reicht es nicht aus. Etwas ganz anderes ist notwendig oder gar nichts ist notwendig. Es muss kommen, und man kann ihm niemals nachgehen, egal, was man tut. Man kann auch die Liebe auf die Liste setzen, aber es geht über die Liebe hinaus. Eines ist sicher, das Gehirn kann es weder begreifen noch einschließen. Gesegnet ist der, dem es geschenkt wird.“

Krishnamurti’s Notebook, 23. Juli 1961

Krishnamurti über schöpferische Zerstörung

„In dieser Zerstörung war keine Gewalt; Gewalt ist in Veränderung, in Revolution, in Unterwerfung, in Disziplin, in Kontrolle und Beherrschung, aber hier hat alle Gewalt, in jeder Form, unter verschiedenen Namen, absolut aufgehört. Diese Zerstörung ist es, die Schöpfung ist.

Aber Schöpfung ist nicht Frieden. Frieden und Konflikt gehören zu der Welt von Veränderung und Zeit, zu der äußeren und inneren Bewegung der Existenz, aber dies gehörte nicht zur Zeit oder zu irgendeiner Bewegung im Raum. Es ist reine und absolute Zerstörung, und nur dann kann das „Neue“ sein.“

Krishnamurti’s Notebook, 31. Juli 1961

 

Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri über die Bewusstseinsentwicklung auf dem Pfad:

Das Bewusstsein, das der Mensch kennt und besitzt, ist von Natur aus egozentrisch. Es besitzt einen Brennpunkt und ist daher in vollkommenem Sinn ein „Ich". Ein anderes Bewusstsein von erhabener menschlicher Art kann der Mensch sich nicht vorstellen.

Und doch ist ein solches anderes Bewusstsein absolut möglich. Das Bewusstsein, welches wir „den neuen Menschen" nennen, ist von völlig anderer Art. Es ist absolut nicht ich-zentral, es ist sogar fundamental ich-los. Wir meinen das nicht im moralischen oder ethischen Sinn, sondern fundamental; es besitzt nämlich keinen Brennpunkt! Man könnte es als ein Bewusstsein beschreiben, welches seinen Sitz im gesamten Mikrokosmos hat, ein Bewusstsein, das also mikrokosmisch [...] ist.

Dieses mikrokosmische bewusste Sein tritt in einem folgenden Schritt in einen kosmisch bewussten Zustand ein und darauf in einen makrokosmisch bewussten Zustand. Man kann es also am besten beschreiben als: Bewusstsein in sich selbst und doch gleichzeitig in allem anderen, in allen anderen.

Die chinesische Gnosis. Kommentare zum Tao Teh King, Haarlem 1988, S. 108 (Kap. 10-II)

 

 

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