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Was ist Licht? Was ist Sehen? – Teil 2

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Das Bewusstsein wirkt mit

Bei dem, was wir sehen, wirkt unser Bewusstsein in ganz erheblichem Maße mit.[1] Ein Junge war von Geburt an durch grauen Star blind. Durch die Weiterentwicklung in der Medizin konnten ihm Ärzte in seinem neunten Lebensjahr die Augenlinse operieren. Er würde wieder sehen können, so dachten sie. Aber wie enttäuscht waren sie, als der Junge nach der erfolgreichen Operation zwar von Schemen und bewegten Schatten berichten konnte, aber sehen, wie wir es als selbstverständlich betrachten, konnte er keineswegs. Er musste es vielmehr mühsam erlernen, was ihn so sehr anstrengte, dass er sich auch später meistens wie zu seiner Zeit als Blinder durch Tasten, Hören und Riechen orientierte.

Durch die Operation war zwar das Empfangsorgan für das Licht wieder hergestellt worden. Aber zum Sehen gehört, so wurde deutlich, viel mehr, nämlich das Zusammenwirken der Lichtimpulse mit dem Bewusstsein.

Sehen von außerhalb des Körpers

Es ist heute nicht mehr ungewöhnlich, dass Menschen aus dem Sterbeprozess zurückgeholt werden und darüber berichten. Manche erzählen, dass sie über ihrem Körper schwebten, häufig über dem Operationstisch. Sie konnten alles genauestens aus der Höhe wahrnehmen, was ringsherum geschah und was die anderen Menschen taten, sprachen und sogar, was sie dachten.

Ein 11-jähriger Junge berichtete, nachdem er einen Unfall erlebt hatte, folgendes:

„Ich schwebte etwa eineinhalb Meter über meinem Körper. Mir fiel auf, dass meine Augen geschlossen waren. Ein Mann versuchte, mir zu helfen. Ich verstand nicht, warum die Leute sich aufregten, denn mir ging es prima. Ich beobachtete, wie sie meinen Körper in den Krankenwagen schoben und versuchte, ihnen zu sagen, dass es mir gut ging, aber keiner konnte mich hören. Aber ich kriegte mit, was sie sagten. ‚Helfen Sie ihm’, sagte jemand. ‚Ich glaube, er ist tot, aber versuchen Sie es trotzdem.’ Der Krankenwagen fuhr los, und ich bemühte mich, ihm zu folgen. Ich schwebte über dem Krankenwagen und versuchte mitzukommen."

Ein anderer Fall:

Eine Frau, die von Geburt an blind war, konnte während ihres Nahtoderlebnisses plötzlich sehen und war völlig überwältigt.

C.G. Jung machte 1944 während eines Herzinfarktes eine außerkörperliche Erfahrung. Er beschrieb sie so, dass er die Erdkugel aus großer Höhe wahrnehmen konnte, in herrlich blaues Licht getaucht. Die Kontinente schimmerten silbern durch das wunderbare blaue Licht. (1944 gab es die uns heute geläufigen Fotos aus dem Weltraum noch nicht.)

Die Beschaffenheit des Lichtkörpers

Für die meisten Menschen klingen diese Berichte phantastisch, weil sie mit dem üblichen Verständnis vom Sehen und Bewusstsein nicht erklärt werden können. Die Erklärung für diese Phänomene kann man bei verschiedenen Autoren finden, zum Beispiel bei Rudolf Steiner, Max Heindel oder bei Jan van Rijckenborgh. Sie beschreiben, dass die Wahrnehmungsimpulse im „Empfindungskörper“ des Menschen erlebt werden. Es ist ein „Körper“ von äußerst feiner Substanz, die nicht mit den Sinnesorganen wahrnehmbar ist. Er wird als Astralkörper bezeichnet und entspricht dem Lichtkörper, von dem Platon berichtet.

Dieser Körper – oft wird er auch als Seele oder Aspekt der Seele bezeichnet – kann sich vom materiellen Körper lösen, und das geschieht jede Nacht beim Schlafen. Im Schlaf haben wir allerdings kein Bewusstsein im Astralkörper. In den Fällen von Nahtoderlebnissen kann es in einzelnen Fällen geschehen, dass das Bewusstsein in diesem Lichtkörper erwacht.

Im Wachzustand bleibt das Bewusstsein eng mit unseren Sinnen als den Wahrnehmungsorganen verbunden; ja es entsteht fortwährend neu mit ihrer Hilfe. Worauf wir die Augen richten, darauf richten wir in der Regel auch unser Bewusstsein. Die Augen helfen also dabei, uns auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren. Sie stehen organisch mit der Hypophyse in Kontakt und über sie mit den Bewusstseinsbereichen im Haupt und im Herzen. So kann man immer wieder beobachten, wie sich die Beschaffenheit des Bewusstseins an den Augen ablesen lässt. Daher rührt auch der Ausspruch: Die Augen sind der Spiegel der Seele.

Unser Sehen ist begrenzt

Es ist bekannt, dass unsere Augen nur ein begrenztes Spektrum von Schwingungen wahrnehmen können – etwa von 400.000 bis 800.000 GHz, von rot bis violett. Was höher oder niedriger schwingt, bleibt für unsere Wahrnehmung dunkel.

Mystiker berichten, dass in dieser Dunkelheit das höchste, das hellste Licht leuchtet. Etwas davon können wir erahnen, wenn wir in den Nachthimmel schauen und seine Erhabenheit spüren. Im 12. Buch des Corpus Hermeticum heißt es:[2]

„Es ist nicht möglich, dass der irdische Körper ein so helles göttliches Bewusstseinslicht würde ertragen können, noch kann eine so herrliche reine Kraft es ertragen, in direkter Berührung mit einem Körper verbunden zu werden, der Leidenschaften unterworfen ist.“

Deutllich ist, dass Licht, Geist und Bewusstsein unlösbar miteinander zusammenhängen. Rudolf Steiner erläutert[3]:

„Wenn wir zur reinen Erkenntnislehre durchdringen, müssen wir sagen: Ohne Auge kein Licht – also ist die Welt unsere Vorstellung. Aber ohne Licht auch kein Auge! Es ist kein Zufall, dass es das Licht wahrnimmt, denn das Licht ist Schöpfer des Auges: Aus dem Licht ist das Auge geboren. Die Objektivierung des Lichtes ist die Sonne. Die Sonne im Makrokosmos entspricht dem Auge im Mikrokosmos.“

So hat unser altes mechanistisches Bild also Brüche bekommen. Aber um zu erkennen, was Licht und Sehen wirklich sind, müssten wir in ein ganzheitliches Schauen versetzt werden. Eine solche Schau, die einzelne Menschen erleben durften und worüber sie in Andeutungen berichteten, ist ein Geschenk des höchsten Lichtes, das dem reinen Geist entstammt. Diese höchste Lichtintensität entspricht einer höchsten Bewusstseinsstrahlung. Unseren Augen erscheint sie als Dunkelheit, wie der samtschwarze Nachthimmel.

Ein Sufi-Text beschreibt es so:

Siehst du das Schwarz, das Licht der göttlichen Essenz?

Der Quell allen Lebens strömt aus dieser Dunkelheit.

 

Quellen:

[1]  vgl. zum Folgenden: Eva-Maria Köpp, Licht am Ende des Lebens – Nahtoderfahrungen, in: Bewusstsein und Todeserfahrung, Stiftung Rosenkreuz, Birnbach 2014 mit weiteren Nachweisen.

[2]  Jan van Rijckenborgh, Die ägyptische Urgnosis, Band 3, Rozekruis-Pers, Haarlem 1966.

[3]  Rudolf Steiner, Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt, Vorträge in Düsseldorf 1909, Fragenbeantwortung (GA 110).

 

 

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