Weisheit und Wissen

Weisheit und Wissen

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Alle genannten Dinge sind dort oben schöne Bilder, die nicht gemalt sind, sondern seiend. Sie sind die Urbilder, lebendige Wesenheiten. Jedes Urbild ist zugleich Weisheit und Wissen.

Es empfängt nicht ein jeder stets die gleiche Schau. Der eine sieht die Quelle und den Inbegriff der Gerechtigkeit hervorleuchten, ein anderer erfüllt sich mit dem Anblick der Besonnenheit und Selbstbeherrschung. Nicht einer Selbstbeherrschung, wie die Menschen sie im Allgemeinen in sich tragen. Denn das Irdische ist nur ein Abbild dessen, was man oben wahrnimmt.

Plotin -   Resonanz zu Text 4  „Weisheit und Wissen“

In der Welt des göttlichen Geistes – so berichtet uns Plotin – finden wir die „erste“ Weisheit, denn sie ist als Ganzes da und in keinem Stück unvollständig.

Wenn ich auf unser heutiges Leben, unsere Gesellschaft, unsere Wissenschaftskultur schaue, so spüre ich eine Atmosphäre der Trennung und Abgrenzung. Das Wissen hat sich zersplittert in unendlich viele Fachdisziplinen und divergierende Einzelmeinungen. Das Verständnis unserer Welt und die Betrachtung ihrer Probleme und Hintergründe ist unglaublich kompliziert geworden. Ich erhalte die detailliertesten Analysen einzelner Fachleute und Wissenschaftler, aber immer beherrschen Streit, Separatismus, Meinungskampf und Besserwisserei die „wissenschaftliche Diskussion“.

Da stehen sich gegenüber:
…Politiker und Verschwörungstheoretiker…
…Virologen und Corona-Leugner…
…Impfgegner und Impfbefürworter…
…Schulmediziner und Alternativmediziner…
…Umweltschützer und Weltklimaleugner…
ach, diese Liste der Meinungsgegner könnte ich endlos fortsetzen…                                                           

Und nicht nur in der großen Welt, auch in meiner Umgebung tobt dieser Meinungskrieg. In jeder Gruppe, in der ich mich aufhalte, kann ich mich beobachten. Schenke ich wirklich allen Beiträgen gleiches Gehör? Welche Äußerung eines Anderen werte ich in Sekundenbruchteilen ab, welche Meinung unterstütze ich?

Ja sogar in mir, in meiner kleinen Innenwelt herrscht Uneinigkeit. Ich möchte ein bewusstes Leben führen, ich möchte verantwortlich in der Welt stehen. Und was steht jetzt - in diesem Moment - für mich an?
…eine „Fridays for Future“ – Demonstration…?
... der Besuch meiner Großmutter im Altenheim…?
…die innere Arbeit durch meditative oder spirituelle Ausrichtung…?
...die liebevolle Wahrnehmung und Pflege meiner Pflanzen im Garten…?
...das Spiel mit meinen Kindern oder Enkelkindern in voller Präsenz…?

Ist das Eine wichtiger als das Andere?

 

Ich sehne mich nach einer Weisheit, die einfach im Raum steht,  als spürbare Kraft, als lebendige Schwingung, abseits aller rationalen Schlussfolgerungen.                                                         
Ich sehne mich nach einer Ganzheit, die alle Aspekte des Lebens umhüllt und integriert.
Im göttlichen Geist existieren diese lebendigen, ganzheitlichen Urbilder. Sie sind nicht gemalt, sie bilden nichts ab, sie bestehen aus sich selbst heraus.
Sie liegen auch ganz tief in mir selbst. Aus dieser tiefsten inneren Dimension erhalte ich die Schau, die in unserer zersplitterten Welt in dieser krisenhaften Zeit am Notwendigsten ist:                                                
•    Jede Wahrnehmung, jede Perspektive hat ihren Sinn, ihre Aufgabe im großen Ganzen.
•    Sie hat sich entwickelt aus einem gemeinsamen Kern.
•    Gegensätzliche und geradezu paradoxe Sichtweisen ergänzen sich auf wundersame Weise.
•    Aus dem mir Gegensätzlichen, vielleicht Fremden, aus dem „Steinchen“ in meinem Schuh, der eine Reibung verursacht, kann ich am meisten lernen.
Aus dieser absoluten Ehrfurcht vor jeder Lebensäußerung aller Geschöpfe im Kosmos atmet die „erste Weisheit“.
Keine ist größer als sie.                                                                                           
Und ich darf mitatmen.

 

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