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Zahlen erzählen die Geschichte des Lebens Teil 4

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Zum Teil 3

Der allen so gut bekannte Satz des Pythagoras ist im Wesen Ausdruck eines allgemeinen Lebensgesetzes. Er zeigt in geometrischer Form anschaulich, wie aus dem Mann-Prinzip, der Drei, und dem Frau-Prinzip, der Vier, – als These und Antithese durch einen rechten Winkel ( = bewusste Unterscheidung) in ein Verhältnis gebracht – das Kind-Prinzip als Synthese hervorgeht und es seinerseits, als Hypotenuse die „Eltern“ miteinander verbindet [1].

Das rechtwinklige Dreieck mit den beiden Katheten der Länge Drei und Vier und der Hypotenuse Fünf wird auch als „Goldenes Dreieck“ bezeichnet. Die Drei, mit der der Begriff „Mann, männliches Prinzip“ ausgedrückt wird (Geist, Vernunft, Tatkraft ...), findet seine Vollendung im Quadrat der Drei, dem Höchsten, was in der Welt der Drei möglich ist:

32

Es ist die Erfüllung des männlichen Prinzips.

Die Vier, mit der der Begriff „Frau, weibliches Prinzip“ ausgedrückt wird (Intuition, Hingabe ...), findet ihre Vollendung im Quadrat der Vier, dem Höchsten, was in der Welt der Vier möglich ist:

42

Es ist die Erfüllung des weiblichen Prinzips.

„Mann und Frau zusammen, wenn sie zur Einheit gemacht werden, in der Verfassung, wo sie das Höchste, das Äußerste erreichen, das sie irgend erreichen können, fügen sich als

32 + 42 = 52   oder   9 + 16 = 25

zusammen. 25 ist das Quadrat der Fünf, die Erfüllung der Fünf. Das ist die ersehnte Frucht, das Kind. Es ist die Frucht von Mann und Frau, wenn beide zur Einheit geworden sind, beide in der  Erfüllung ihrer selbst. So wird das Neue geboren. [2]

Das Querschittdreieck der Chafra-Pyramide in Ägypten besteht aus zwei pythagoräischen Dreiecken, deren Katheten im Verhältnis 3:4  im rechten Winkel zueinander stehen. Die Hypotenuse, welche die Fünf  darstellt, führt zur Spitze der Pyramide hinauf.

Sowohl im Bild der Pyramide, als auch im Satz des Pythagoras zeigt sich der der Menschheit vorbestimmte Weg. Es ist ein Weg, der aus der materiellen Verhaftung in der Welt der Vier hinaus führt in die Welt des Geistes.

Ganz allgemein liegt bei jeder quadratischen Pyramide die Spitze als ein Fünftes über dem darunter liegenden Quadrat. Aus der Vierheit erhebt sich über deren Zentrum der fünfte Punkt, die Spitze der Pyramide, die Quintessenz.

Die geoffenbarte materielle Welt der Vier braucht einen Gegenpol, ein Gegenüber, das aus ihr selbst hervorgegangen und in der Lage ist, zu erkennen, dass auch die irdische Welt einer Gesetzmäßigkeit und Ordnung unterliegt und nach geistig-seelischen Gesetzmäßigkeiten gelenkt wird. Dieses Gegenüber ist der Mensch, die Fünf, der sich im rechten Winkel zur Erde erhebt. Er ist als Erkenntnisorgan Gottes gedacht. Seine Aufgabe wird in der Pyramidensymbolik erkennbar.

Der Mensch erwächst aus der Vier. Das kann symbolisch dargestellt werden,  wenn er aufrecht auf der Erde steht und seine Arme waagerecht ausbreitet. Er bildet dann ein Kreuz. Seine Aufgabe ist es, zwischen der konkreten irdischen Welt (= der horizontalen Achse) und dem göttlichen Urgrund (= der vertikalen Achse) zu vermitteln und die Gegensätze zu überwinden. So, wie der Mensch zwischen Himmel und Erde aufrecht steht, nimmt auch die Fünf die mittlere Stellung in der Zahlenreihe eins bis neun ein. Sie steht in der Mitte des Spannungsbogens zwischen „Himmel“ und „Erde“:

 

Zahlen erzählen die Geschichte des Lebens Teil 4
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Die Fünf ist ferner die Summe von Zwei – der Polarität im Materiellen – und Drei – der Überwindung der Trennung in der göttlichen Kraft:  

2 + 3 = 5

In der hebräischen und der indischen Kultur galt die Fünf als Ausdruck für den schöpferischen Willen des Menschen und seine innewohnenden individuellen Kräfte. Die Fünf ist unteilbar. Sie weist auf die „In-dividualität“, das Unteilbare im Menschen hin. Durch die Verbindung der Zwei mit der Drei tritt es ins Bewusstsein. Ist der Mensch durch Erfahrungen gereift, kann er vom bloßen Individuellen zum schöpferischen Individuellen, der Vollendung der Fünf, gelangen.

Dieses Geheimnis wird deutlich, wenn man die der Fünf entsprechenden geometrischen Figuren, das regelmäßige Fünfeck (das Pentagon) und den Fünfstern (das Pentagramm) betrachtet.

Das Pentagramm oder der Fünfstern wurde als ein heiliges Zeichen so sehr verehrt, dass man seine Konstruktion erst im 16. Jh. enthüllte. Er war seit jeher Symbol für die göttliche Ordnung. Ohne den Kreis (Symbol für die Einheit) und das Kreuz (das sein Durchmesser ist) ist es nicht zu konstruieren. Der Zusammenhang von Pentagramm, Kreis und Kreuz symbolisiert den Weg, zu dem der suchende Mensch gerufen ist. Der Ausweg aus der Welt der Vier wird ihm möglich durch Hingabe seines ganzen Wesens an die Welt der Eins. Die Seele formt sich dabei um zum Pentagramm.

 

pentagram 2
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Betrachtet man das Fünfeck, das Pentagon, so kann man eine Verbindung mit der Unendlichkeit erkennen, wenn man wie folgt vorgeht:

Von jeder Ecke aus, zum Beispiel der obersten, kann man eine Reihe von Fünfecken und Fünfsternen so konstruieren, dass sie, alle ineinander geschachtelt, immer kleiner werden und auf die ausgewählte Ecke, durch die sie miteinander verbunden sind, zustreben. Umgekehrt gesehen scheint es aber auch, als würde sich aus dieser Ecke eine immer größer werdende Zahl von Fünfecken und Fünfsternen bis ins Unendliche nach außen ausdehnen. So wird die ausgewählte Ecke zu einem Symbol des Mikrokosmos, in dem sich die Geheimnisse des Makrokosmos spiegeln [3].

Ebenso kann man erkennen, dass sich auch im Inneren jedes Pentagramms ein Fünfeck befindet, in das sich wiederum ein Pentagramm konstruieren lässt, usw..

Das Pentagramm ist somit ein Symbol für den Menschen, der in das kosmische Ganze eingebettet ist.

Der Fünfstern birgt noch ein weiteres Geheimnis: das des „Goldenen Schnittes“ oder der „Göttlichen Teilung“, die von der Beziehung der Teile zum Ganzen handelt. Im Fünfstern verhält sich, mathematisch ausgedrückt, der Minor (der kleinere Teil) zum Major (dem größeren Teil) wie der Major zum Ganzen.

Auch die Gliedmaßen des Menschen entsprechen bei normaler Gestalt diesem Verhältnis: Bei ausgestreckten Armen verhält sich die Armlänge (Minor) zur Schulterbreite plus Armlänge (Major) wie der Major zur Gesamtlänge der beiden Arme plus Schulterbreite. Entsprechendes gilt auch für alle anderen Gliedmaßen des menschlichen Körpers: für unsere Hände mit ihren jeweils fünf Fingern, die Zehen, die Beine, den Kopf und den Rumpf.

 

pentagram
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Dieser Zusammenhang symbolisiert, dass es zwar eine Abtrennung vom Ganzen gibt, dass der abgetrennte Teil jedoch immer noch mit dem Ganzen verbunden bleibt.

In der Cabbala des Heinrich Cornelius Agrippa findet man schon im Mittelalter die Form des menschlichen Körpers mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen als Pentagramm abgebildet.

Der Mensch ist zur Freiheit gerufen und besitzt einen Körper als Werkzeug, der die Gesetzmäßigkeiten der göttlichen Teilung aufweist, und das insbesondere in den Gliedern, die für seine Handlungen vorgesehen sind.

Geht der Mensch den Weg der Bewusstwerdung, so erhält er durch seine wachsende Erkenntnis auch mehr Macht, und der Grad seiner Freiheit und Selbstständigkeit nimmt zu. Ein solches Individuum hat immer die Wahl, seine Freiheit in zwei möglichen Richtungen zu nutzen.

So kann man auch das Pentagramm auf zwei Arten darstellen. Bei der einen Art weist eine Spitze des Pentagramms nach oben und bei der anderen, der Umkehrung davon, zeigen zwei Spitzen nach oben. Die zweite Darstellung weist auf die Dualität hin und wurde mit dem „Bösen“, dem „zweihörnigen Tier“, „dem gefallenen Engel“ verknüpft.

Der bisher beschriebene Weg von der Eins zur Fünf umfasst den Anfang des Bewusstwerdens, die Schritte der Wahrnehmung, der Krise und Entscheidung und die dadurch gewonnene Sicht der Dinge, die Erkenntnis ihres Sinns. Ferner umfasst dieser Weg eine fortschreitende Vertiefung und Läuterung in der Welt der Materie durch das Erkennen der Gegensätzlichkeit und Vergänglichkeit alles irdischen Seins und führt dadurch nach innen, zum geistigen Urprinzip im Herzen.

So erhebt sich aus der Vier die Fünf. Erkennt der Mensch durch die Summe seiner Erfahrungen und die damit verbundenen Läuterungen die Prinzipien, nach denen sich das Leben gestaltet, dann beginnt er mit der Fünf, sein Leben tatsächlich und bewusst nach den Gesetzen des Geistes zu führen. Damit beginnt der Einweihungsweg, die innere Wiedergeburt aus dem Geist, aus dem Funken des Geistes im Herzen.

Betrachtet man die geometrische Entstehung des regelmäßigen Fünfecks, so wird dieser Weg auch durch die nüchternen Symbole der Mathematik  erkennbar.

Zum Teil  5

  • [1]. Friedrich Weinreb, Zahl, Zeichen, Wort, 4. Aufl. 1999, S. 62
  • [2]. Friedrich Weinreb, a.a.O., S. 62
  • [3]. Ernst Bindel, Die geistigen Grundlagen der Zahlen, 1980, S. 60 ff
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