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Kooperation als rettender Ausweg – Teil 1

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G. F.: Frau Dr. Uecker, Sie sind Ärztin und praktizieren auch heute noch, im Alter von mehr als 80 Jahren. Zugleich haben Sie sich wissenschaftlich betätigt und über ganzheitliche Medizin, Naturheilverfahren, Quantenphysik, Evolutionstheorie und andere Themen Vorträge gehalten und Publikationen verfasst. Kürzlich haben Sie einen Vortrag über Kooperation gehalten. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

D. U.: Die Menschheit ist in einer globalen Krisensituation angekommen. Das lineare Trennungsbewusstsein mit seinem Entweder-Oder-Denken hat uns in eine Sackgasse geführt. Als Ärztin bin ich täglich konfrontiert mit der scheinbaren Unvereinbarkeit von evidenzbasierter materialistisch-wissenschaftlicher Medizin und einer Heilkunst, die bemüht ist, geisteswissenschaftliches Erfahrungswissen in ihre Arbeit am kranken Menschen einzubeziehen.

Die moderne materialistische Wissenschaft kann aus meiner Sicht nicht die alleinige Quelle des Wissens sein, da sie das Unsichtbare ausklammert und sich auf die Analyse der Materie reduziert. Im Menschen ist beides vereint, der physische Körper mit seiner Mentalität und Emotionalität, aber auch das immaterielle geistige Bewusstsein. Wir haben diesen Köper, aber wir sind nicht der Körper; wir sind nicht unsere Gedanken, sind nicht unsere Gefühle und sind auch nicht unser Ego.

Eine integrale Heilkunst

Um also einen Heilungsprozess der ganzen individuellen Wesenheit Mensch zu begleiten, ist dringend eine Kooperation aller medizinischen Fachbereiche mit ihren spezialisierten Fachkenntnissen erforderlich. Es kann nicht mehr nur darum gehen, einen medizinischen Befund zu behandeln, sondern es muss unser aller Anliegen sein, einen kranken Menschen mit seinem seelischen und geistigen Wesensgrund kooperativ zu begleiten.

Nur in einem freiwilligen Zusammenfügen der individuell erworbenen Teilergebnisse können wir der holistischen Wirklichkeit näher kommen und gemeinsam eine wahrhaft integrale Heilkunst entwickeln, in der auch die Heilkräfte der Seele und die spirituellen Impulse in die Gesundung des Individuums hineinwirken können. Eine solche Kooperation bedeutet zugleich Menschlichkeit und Empathie.

G. F.: Der Gedanke der Kooperation steht dem Gedanken des Wettbewerbes gegenüber. Es gibt den Gedanken des Miteinanders und den des Gegeneinanders. Zwischen diesen beiden ist ja wohl keine Kooperation möglich. Hier gibt es doch das Entweder-Oder.

Die Zellgemeinschaft ist eine kooperative Organisation

D. U.: Kooperation bedeutet Einmütigkeit in einer gemeinsamen Zielsetzung oder zumindest einer gemeinsamen Erwartung. Aus modernster neurobiologischer Sicht sind wir Wesenheiten, die auf soziale Resonanz und auf Kooperation angelegt sind.

Die Zellgemeinschaft in unserem Organismus ist naturgemäß eine kooperative Organisation, in der Einzelwesen zusammenfinden, die Interessen, Lebensenergie und Zielsetzungen miteinander teilen. Das Entscheidende ist das Teilen. Die teilnehmende Zelle stellt ihre Eigeninteressen zurück und unterstützt das Ganze.

Das Leben einer Zelle in unserem Organismus und das Leben eines Menschen in unserer Zivilisation sind im Grunde analoge Gegebenheiten. Wir erleben, dass 100 Billionen Zellen harmonisch und friedlich miteinander auskommen, während 7 Milliarden Menschen auf unserem Planeten kurz davor sind, sich gegenseitig auszurotten.

Das liegt natürlich daran, dass wir ein Egobewusstsein besitzen. Der Antrieb zum Wettbewerb wird von unserem selbstbewussten Ego stimuliert, das seine Vorteile sucht, seine Macht festigen und seinen Besitz vergrößern möchte. Um eine uneigennützige, dem Gemeinwohl dienende Kooperationsbereitschaft zu entwickeln, muss in uns erst die Transformation von der Selbstbezogenheit in die Selbstlosigkeit stattfinden. Kooperation im Sinne eines evolutionären Fortschrittes und Wettbewerb, wie wir ihn derzeit kennen, schließen sich deshalb aus.

G. F.: Als Ärztin haben Sie mit dem menschlichen Körper zu tun. Der Körper muss sich wehren gegen Angriffe. Dazu besitzt er ein Immunsystem. Welches Prinzip steht ihm im Vordergrund, Überlebenskampf oder Kooperation?

Wenn der Körper die innere Balance verloren hat

D. U.: In unserem Körperbewusstsein und damit auch in unserem Immunsystem ist eine weisheitsvolle ganzheitliche Selbstregulationsfähigkeit angelegt, die auf Kohärenz beruht, das heißt einem Gleichklang aller Lebensfunktionen geistiger, seelischer und physischer Art im Hinblick auf unsere Unversehrtheit. In dieser umfassenden Kooperation liegt die größte Kompetenz unserer Immunität und Integrität.

Kämpferische Aktivitäten sind Notfallprogramme, die dann nötig werden, wenn das System seine innere Balance verloren hat oder seine Wesensglieder in eine Dissoziation gefallen sind.

G. F.: Der Körper ist ein Organismus, der Mensch ist insgesamt ein Organismus. Wie ist es mit der Erde? Können wir die Erde mit all ihren Lebewesen ebenfalls als einen Organismus ansehen?

D. U.: Aus den modernen Bewusstseinsforschungen und auch aus den Ergebnissen der Quantenphysik wissen wir heute, dass wir in einem Teilnehmeruniversum leben, dass wir in einem Beziehungsgeflecht mit allen Dingen und Wesenheiten in diesem Universum vernetzt sind.

Kein Gedanke, keine Emotion, die wir in die Welt entlassen, geht verloren. Alles geht in die Matrix der morphogenetischen Felder in unserem Kosmos ein und sucht sich auf der materiellen Ebene zu verwirklichen.

Wir entscheiden also in jedem Augenblick darüber, wer wir morgen sind und was sich auf der materiellen Ebene ereignen wird.

Im Leiden der Seele ist das Leiden der Welt enthalten

Wir müssen endlich begreifen, dass wir alles, was wir anderen oder diesem Planeten antun, uns in Wirklichkeit selbst antun. Wir allein sind mit unserem Denken und Handeln von heute verantwortlich für die Umstände und Konflikte von morgen. Unsere dringlichste Aufgabe ist es, eine Bewusstseinstransformation zu vollziehen, durch die sich unser egozentrisches Verstandesbewusstsein zum Diener eines intuitiven Einheitsbewusstseins erhebt. Nur in einem überpersönlichen Bewusstseinsraum können wir eine wirkliche Kooperation im Sinne eines Evolutionsfortschrittes für diesen Planeten und seine Bewohner kreieren. 

Wir sind ein Menschheitsorganismus, dem die lebende Wesenheit unseres Planeten als Entwicklungsfeld geliehen ist. Letztendlich ist im Leiden unserer Seele immer auch das Leiden dieser Welt enthalten. Wir können in uns hineinhorchen, um zu spüren, wie die Erde weint.

G. F.: Wenn wir in die Natur schauen, stellen wir doch fest, dass alle Wesen sich voneinander ernähren. Tiere ernähren sich vom Pflanzenreich oder fressen kleinere Tiere, Menschen ernähren sich von den Pflanzen und Tieren. Der eine tötet den anderen. Wie kann man da von Kooperation sprechen?

D. U.: Wenn wir mit dem geistigen Auge schauen, erkennen wir die Naturordnung in ihrer Weisheit und unerschöpflichen Selbstregulation. In der großen Kette des Seins entfaltet sich das Bewusstsein von Stufe zu Stufe und offenbart sich in immer differenzierteren Lebensformen. Jede neue Stufe schöpft aus den Erfahrungen der vorangegangenen und ernährt sich aus deren Bausteinen. Dabei vollzieht sich der Spiralengang eines ewigen „Stirb und Werde", in dem alte Formen, die nicht mehr gebraucht werden, zurückgelassen werden. Im geistigen Prinzip der Schöpfungsordnung ist eine vollendete Kooperation und Synchronisation der wirkenden polaren Kräfte angelegt, in deren Spannungsfeld das Leben immer neue Entfaltungsmöglichkeiten entdeckt.

Das Töten, um sich zu ernähren, ist ein evolutionär sinnvoller kooperativer Akt

Wo der Mensch nicht mit seinem Eigenwillen die Macht und Kontrolle über die Naturkräfte übernimmt, sind die Wunder von übergreifenden Kooperationen und kreativen Anpassungsvariationen wahrzunehmen, die uns mit Staunen erfüllen. In der Natur wird nur zur Arterhaltung getötet, was zugleich für eine gesunde Selektion innerhalb der Rassen sorgt. Das auf schnellste Art, noch im Trancezustand des Schocks getötete Tier wird vollkommen in den Kreislauf der Natur aufgenommen und dient allen Naturreichen zu ihrem Gedeihen.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich auch hier, dass in dem „Fressen und Gefressenwerden" ein evolutionär sinnvoller, kooperativer Akt äußerster Ökonomie gewahrt wird.

(wird fortgesetzt in Teil 2)

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