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Kooperation als rettender Ausweg – Teil 2

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(Teil 1)

G. F.: Im abendländischen Denken hat der Gedanke eine große Rolle gespielt, dass es in der Natur ein „Hauen und Stechen gibt und dass der Mensch ebenfalls ein Naturwesen ist. Daraus ergab sich ganz klar, dass man den Menschen – ebenso wie die Natur – unter Kontrolle bringen muss. Auch heute werden Immer neue Gesetze erlassen, um die Triebkräfte des Menschen zu zügeln und um Ordnung zu schaffen für ein möglichst reibungsloses Zusammenleben. Wie sehen Sie diesen Gedanken der Kontrolle?

Ein wirklicher Wandel geschieht durch Einsicht, Achtsamkeit und Mitgefühl

D. U.: Es hat sich in der Geschichte gerade im Abendland gezeigt, dass Zwangskooperationen viel Leid bewirkt haben. Besonders krass war das in totalitären Systemen der Fall. Und es zeigt sich heute auch besonders deutlich, was der Mensch mit seinen Wirtschaftssystemen und seiner Naturkontrolle auf seinem Planeten anrichtet.

Um unsere Systeme und Lebensformen aufrecht zu erhalten, emittieren wir global täglich 180 Millionen Tonnen CO2, rotten wir täglich 150 Pflanzen- und Tierarten aus, verlieren wir täglich 50 000 Tonnen fruchtbaren Boden und vergrößern wir jeden Tag die Wüsten um etwa 80 000 Hektar. Unsere Gier nach Fleisch, um nur einen Aspekt zu erwähnen, zerstört zunehmend die Regenwälder. Die Politik und die Gier des Homo sapiens fordern Wachstum, Wachstum, Wachstum.

Einen wirklichen Wandel bekommen wir nicht mit Angst, Gewalt und Kontrolle, sondern mit Einsicht, Achtsamkeit und Mitgefühl.

G. F.: Können wir auch mit der Natur kooperieren? Sie dient uns ja in vielfacher Hinsicht. Sie gibt uns die Lebensgrundlage. Können wir auch ihr etwas geben? Hat die Natur auch ein Innenleben?

Wir können auf imaginative Weise die Signaturen der Natur verstehen

D. U.: Sicher können wir mit der Natur und ihrer Weisheit der Selbstregulation kooperieren. Dazu müssen wir aber bereit sein, ihre Rhythmen, ihr Terrain und die Symbiosen, mit denen sie vielfältig vernetzt ist und die ihr ihre Lebensgrundlagen geben, zu beachten.

Wir können in imaginativer Weise ihre Signatur verstehen lernen, damit wir mit der schöpferischen Kraft, durch die sie entsteht, wieder in eine Synergie finden und sie in verantwortlicher Weise hegen, ohne sie auszubeuten. Es gibt heute glücklicherweise viele Ansätze in der Landwirtschaft und dem Naturschutz, die sich in dieser Hinsicht selbstlos einsetzen. Das gibt Hoffnung.

G. F.: Ein Merkmal unserer Entwicklung ist die Entfaltung des Ich. Jeder fühlt sich als ein Subjekt und sorgt für sich und die Seinen. Die Welt und auch die Pflanzen und Tiere – vielleicht von einzelnen Haustieren abgesehen – sieht man als Objekte. Auch die landläufige Medizin sieht den Körper als ein Objekt, an dem etwas repariert werden kann und das man beherrschen muss. Das Ich behauptet sich in seinem Dasein, es will und muss Herrscher sein. Was hat es mit diesem Ich auf sich?

D. U.: Das Ich ist Ausdruck der selbstreflexiven Fähigkeit unseres subjektiven Bewusstseins. Es gewinnt seine Erkenntnisse aus den Sinneswahrnehmungen und deren Deutung durch den rationalen Verstand.

Um sich als ichbewusstes Wesen wahrnehmen zu können, muss eine Trennung stattfinden zu allem, was nicht ich ist. Dieses Trennungsbewusstsein, das der kausalanalytische Verstand für seine Erkenntnisse nutzt, führt leicht in ein duales Denken von unvereinbaren Gegensätzen, schließt den unsichtbaren Geist aus und orientiert sich an der sichtbaren Materie.

Der Verstand kann Diener der Intuition sein

In seiner neu entwickelten Selbstherrlichkeit hat der Mensch vergessen, dass seine Vollendung zum „ebenbildlichen Menschen“ erst erreicht ist, wenn eine vollkommene Synchronisation zwischen dem rationalen Verstand und dem innewohnenden Geist stattfindet. Dann fungieren die rationalen Gedanken nicht mehr als narzisstische Störenfriede, sondern sie werden zu hilfreichen Mitarbeitern in der Schöpfungsordnung. Dann ist der Verstand wieder zum Diener des göttlichen Geschenkes der Intuition geworden, wie Einstein dies erkannte. Das ist eine höchste Form der freiwilligen Kooperation.

G. F.: Ist das Ich, als das wir uns täglich zeigen, der Kern unseres Daseins?

D. U.: Der Kern unsers Daseins ist unsere ewige Geist-Seelen-Identität, gleichsam der Sohn des Himmels, der sich in dieser Inkarnation mit dem Kind der Erde, unserer sterblichen Persönlichkeit, verbunden hat.

Unser Ich in unserer Persönlichkeit ist eine zeitliche Erscheinung, mit deren Hilfe wir Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen, die einem Bewusstseinswachstum dienen, damit wir durch Selbsterkenntnis die Sinnhaftigkeit unseres Lebens entdecken und unseren Lebensaufgaben entsprechen können.

Wenn man mit dem ganzen Herzen das Ewige im eigenen Wesen sucht, findet man es auch.

G. F.: Wie ist es mit den spirituellen Wegen? Können sie miteinander kooperieren?

Eine spirituelle Kooperation von Menschen aus verschiedenen Religionen

D. U.: Ich bin sicher, dass es eine spirituelle Kooperation geben wird, die von den Menschen getragen wird, die sich von aller Dogmatik und allem Trennungsbewusstsein gelöst haben, das zu der scheinbaren Unvereinbarkeit gerade der monotheistischen Religionen geführt hat. Es werden Menschen aus allen Religionen in dieser gemeinschaftlichen Bemühung ihren Platz einnehmen und ihren Erfahrungsbeitrag und ihre Geisteskraft hinzufügen.

Spirituelle Wege haben letztlich ja alle das gleiche Ziel. Die Wahrheit ist unwandelbar in sich selbst. Sie ändert ihre Formen und ihre Gewänder, aber am Ende sind alle lebenden Wesen unterwegs zu diesem einen Ziel. Deshalb ist die Kooperationsmöglichkeit eigentlich immer gegeben.

Das kooperative Zusammenwirken ist sicher das effektivste Modell für eine höhere Komplexität des Bewusstseins, die die Vielfalt der unterschiedlichen Erfahrungsernten in eine Gemeinsamkeit einfügt.

G. F.: Kann der Menschheitsorganismus durch Kooperation über sich hinauswachsen?

D. U.: Ich glaube, dass die einzige Möglichkeit für die Menschheit in der derzeitigen kritischen Situation auf ihrem Planeten darin besteht, durch eine spirituell ausgerichtete Kooperation den Aufstieg in ein transpersonales Bewusstsein zu bewältigen, in dem die Einheit alles Lebendigen erfahren werden kann.

Die Transformation unseres Bewusstseins ist fällig und möglich. Sie gestaltet sich am besten durch echte uneigennützige Kooperation.

Frieden ist möglich, Liebe ist möglich, Gerechtigkeit ist möglich

Alle Probleme, die der Mensch verursacht hat, können auch von ihm gelöst werden: Frieden ist möglich, Liebe ist möglich, Gerechtigkeit ist möglich, Naturbeschützung ist möglich, Ethik in der Wirtschaft ist möglich, eine bessere Welt ist möglich!

Wir müssen uns nur dazu bereit finden, das Voranschreiten der Evolution in diesem Sinne mit zu bewirken. Es geht nicht mehr um persönlichen Fortschritt, nicht mehr um die eigene Erleuchtung, es geht um die Erhebung des menschlichen Bewusstseins in eine neue Evolutionsstufe.

G. F.: Herzlichen Dank für dieses Gespräch, Frau Dr. Uecker.

 

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