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Vom Sterben am Rande der Zeit – Teil 3

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Nach Teil 2

 

Tot SEIN

Kann man das: tot sein?
Oder kann man nur sterben – und dann ist Schluss?
Gibt es ein Bewusstsein unabhängig vom Gehirn?
Nutzt das Bewusstsein unser Gehirn als Werkzeug?

Dr. Eben Alexander erkrankte an einer bakteriellen Infektion des Gehirns und fiel innerhalb von 24 Stunden für sieben Tage ins Koma. Während dieser Zeit war sein Neokortex außer Funktion: „Der Teil meines Gehirn, der ... für den Aufbau der Welt verantwortlich war, in der ich lebte und mich bewegte, und dafür, dass ich die Rohdaten, die über meine Sinnesorgane hereinkamen, zu einem sinnvollen Universum zusammensetzen konnte, dieser Teil meines Gehirns war am Ende. Mein Gehirn hat nicht nur unzureichend gearbeitet, es hat überhaupt nicht gearbeitet.“ Und so „machte [er] Bekanntschaft mit einer Realität einer Bewusstseinswelt, die völlig frei von den Beschränkungen meines physischen Gehirns existierte“.

Nach sieben Tagen kehrte er zurück, und diese sieben Tage hatten sein Verständnis der Welt, des Lebens, des Universums verändert.
Im Buch Blick in die Ewigkeit beschreibt er seine Erfahrungen:

„Dieses Wissen jetzt weiterzugeben, fühlt sich etwa so an, als sei man ein Schimpanse, der einen einzigen Tag lang Mensch geworden ist, um alle Wunder menschlichen Wissens zu erfahren, und der dann zu seinen Schimpansenfreunden zurückkehrt und ihnen verständlich zu machen versucht, wie es war, mehrere romanische Sprachen zu sprechen, diverse Rechenarten zu beherrschen und über das enorme Ausmaß des Universums Bescheid zu wissen.“
Das, was er erlebt hat, hat nicht nur sein Verständnis von Bewusstsein verändert. Sein Begreifen der Welt, der Realität, sein Begreifen unseres Seins als Menschen hat eine tiefe Wandlung erfahren. Man spürt die Dringlichkeit, mit der er uns vermitteln möchte, dass wir Vertrauen haben können – in das Leben und in den Tod.
Denn, so wurde ihm immer wieder versichert:

Du wirst geliebt und geschätzt.
Du hast nichts zu befürchten.
Du kannst nichts falsch machen.“

„Gott, das Om, hat Verständnis mit unserer menschlichen Situation, [...] denn es weiß, was wir vergessen haben, und versteht, was für eine schreckliche Bürde es ist, auch nur einen Moment ohne jede Erinnerung an das Göttliche zu leben.“ „Wir haben den Kontakt zum tiefsten Mysterium im Zentrum unserer Existenz verloren: unserem Bewusstsein.“ „Unser Leben hier unten mag uns unbedeutend vorkommen [...], aber es ist wichtig, denn hier ist es unsere Aufgabe, dem Göttlichen entgegenzuwachsen [...], und dieses Wachstum wird [...] genau beobachtet.“ „Das physische Universum ist nichts im Vergleich zu dem spirituellen Bereich, aus dem es hervorgegangen ist, dem Reich des Bewusstseins. [...] Dieses andere, gewaltigere Universum ist nicht weit weg. [...] es existiert einfach auf einer anderen Frequenz. [...] Gleiches versteht Gleiches. Sie müssen sich für eine Identität mit dem Teil des Universums öffnen, den Sie bereits besitzen, dessen Sie sich aber vielleicht nicht bewusst sind.“

„Die bedingungslose Liebe und Akzeptanz, die ich auf meiner Reise erlebte, ist die wichtigste Entdeckung, die ich je gemacht habe oder machen werde."

O Tod, unser verhüllter Freund und
Erzeuger von guten Gelegenheiten,
wenn du gedenkst das Tor zu öffnen,
dann zögere nicht, uns dies zuvor wissen zu lassen;
denn wir gehören nicht zu jenen, die zurückschrecken
vor seinem durchdringenden eisernen Knarren.
(Sri Aurobindo)

Betrachtungen über die Lebensreise

Nach einer mythischen Überlieferung aus dem alten Ägypten stellt die Sphinx dem Wanderer drei Fragen, die er beantworten muss, ehe sie ihm Durchlass gewährt:

Woher kommst du?
Warum bist du hier?
Wohin gehst du?

Was aber können wir sterbliche Menschen – mit unserem begrenzten Bewusstsein – wirklich über Ursprung, Sinn und Ziel unserer Lebensreise wissen?
Müssen wir irgendwelchen Gurus und Dogmen Glauben schenken?
Gibt es eine kraftvolle innere Vision, die unsere Schritte leitet, auch auf dunklen und unsicheren Wegstrecken?

Fernöstliche Weisheitslehren und auch das frühe Christentum künden davon, dass der Mensch nicht nur eine irdische Existenz lebt. In einer ganzen Reihe von Wiederverkörperungen kann er die Erfahrungsernte aus einem jeweiligen Erdenleben mit ins nächste nehmen. Wozu?

Um „alte Schulden zu tilgen“, um Versäumnisse und Fehler aus früheren Leben auszugleichen – und womöglich andere, neue Fehler zu begehen?
Um über viele Inkarnationen hinweg immer mehr Wissen anzuhäufen oder sein Wesen zu verfeinern und zu „perfektionieren“? Um immer aufs Neue geboren zu werden und zu sterben – immer wieder die Auflösung alles Persönlichen zu erleiden?

Gibt es in mir etwas, das mich dazu drängt, solche Fragen zu stellen? Ein Wissen, das zeitlos ist und vielleicht sogar alle Kenntnisse und Erfahrungen der kollektiven Menschheit über die Zeiten hinweg übersteigt?

Auf altägyptischen Bildtafeln können wir sehen, wie Anubis und Thot das Herz eines Verstorbenen wiegen. Kann ein Mensch nach Beendigung seines Erdendaseins etwas vorweisen, das – aus höherer, geistiger Sicht – Wert und Bestand hat?

Die Weisheitslehren der Gnostiker und Rosenkreuzer sprechen von einem ewigen Prinzip, das – zunächst latent – im Menschen wirksam ist, einem Geistfunken oder einer „Rose des Herzens“. Es birgt die Erinnerung an eine göttliche Herkunft. An die uralte Verheißung, dass es einen Weg hinaus aus dem endlosen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiederverkörperung gibt. Durch einen geheimnisvollen Prozess der Transfiguration kann sich das Seelenwesen von Grund auf verwandeln, so dass sich ihm – wie in Jakobs Traumvision in dem Bild von William Blake – der Aufstieg zu einer lichtvollen göttlichen Welt öffnet.

Angst – die Furcht vor dem Tod – unterbindet Freiheit. Wenn wir uns der Sphinx vertrauensvoll nähern und die Antwort auf ihre Fragen dem tiefen Weisheitsquell in uns übergeben, können wir mit froher Zuversicht im Herzen an dem Hüter der Schwelle vorbeiziehen.
Und wir können – wenn die Zeit für uns gekommen ist – wie Paulus jubeln: „Tod, wo ist dein Stachel? Der Tod wird verschlungen in den Sieg!“

(wird fortgesetzt in Teil 4)

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