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Vom Sterben am Rande der Zeit – Teil 4

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Nach Teil 3

 

Diese Texte haben wir für Podcasts verfasst, für zwei Mal eine knappe halbe Stunde. Das reicht bei weitem nicht für dieses Thema aus. Und doch ist es mehr als genug, um sich von ihm berühren zu lassen. Das ist es, was wir wollten. Eine Berührung ermöglichen, durch die wir vor dieser Schwelle, vor dieser Pforte stehen und uns öffnen können für ihr Mysterium.

Jederzeit – im Hier und Jetzt – ist für uns ein geheimnisvoller Wandlungsprozess erfahrbar: ein tägliches Sterben und neu geboren Werden.
In Abwandlung eines Zitats von Angelus Silesius können wir feststellen:
„Wer stirbt, bevor er stirbt, stirbt nicht, wenn er stirbt.“

Dieses „Sterben, bevor wir sterben“ können wir lernen. Es ist das Kennzeichen eines befreienden Weges. Wir kennen das „Aufgehen, Blühen und Versinken“, das immer wiederkehrt. Es ist ein Kreislauf, sicher – und doch ist es ein Rad des Lebens, ein wunderbares großes Ganzes, in dem der Mensch seinen Platz hat; und in dem ihm die Möglichkeit geschenkt wird zu wachsen – nicht nur äußerlich, sondern vor allem in seinem Innern.

Wir können dieses Rad des Lebens aus einer Metaperspektive erkennen, denn in unserem Wesen wirkt ein geistiges Prinzip, das außerhalb der Zeit lebt. Durch unser Leben hier mit all seinen Erfahrungen wächst unser Bewusstsein und haben wir die Möglichkeit, mit diesem Ewigkeitsprinzip in Verbindung zu kommen.

Damit erhält der Tod eine neue Bedeutung und Dimension. Es wachsen in uns das Erkennen und die Gewissheit, dass es eine Kontinuität des Seins gibt, die über das hinausgeht, was wir hier als Leben erfahren.

Novalis sagt: „Wohin gehen wir? Immer nach Hause.“ In dieser Gewissheit kann ich meinen Weg weitergehen, in Freude und mit einem Gefühl, frei zu sein. Ich trete über Schwellen, während des Lebens – und dann über die letzte, die es für dieses Leben gibt. Und das geschieht in tiefem Vertrauen, denn wir sind aufgehoben als Teil des ewigen Stroms von Leben und Bewusstsein.

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andere an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

                                   Rainer Maria Rilke

 

Referenz:

Podcast Sterben am Rande der Zeit - Teil 1

Podcast Sterben am Rande der Zeit - Teil 2

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